TuS Nartum nach dem 2. Weltkrieg

Der Turn- und Sportverein Nartum nach dem 2. Weltkrieg.   

 

Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins sowie in der Vereinschronik wird über nachfolgende Themen des Vereinslebens ab September 1945 berichtet:

 

Erste Sportaktivitäten 4 Monate nach Ende des 2. Weltkriegs im Herbst 1945.

 

Unser Dorf Nartum wurde noch am 25. April 1945 von amerikanischen Jagdbombern und am 26. und 27. April 1945 von englischer Artillerie intensiv beschossen. Dabei sind zahlreiche Gebäude abgebrannt. Zu vermuten ist, dass bei diesen Bränden auch die Aufzeichnungen und Vereinsprotokolle von 1921 bis 1945 vernichtet wurden. Nachdem in den letzten Kriegsjahren der Sportbetrieb gänzlich geruht hatte ist deshalb der noch im Original vorliegende Protokollbucheintrag vom 16. September 1945 umso bemerkenswerter. An diesem Tag trafen sich um 10:00 Uhr alle Nartumer und Winkeldorfer Fußballspieler auf dem Sportplatz an der Straße von Nartum nach Winkeldorf (jetzt jährlicher Motorradtreffpunkt), um den Platz fertig zustellen. Anschließend wurde eine Mannschaft aus 7 Nartumer und 4 Winkeldorfer Spielern aufgestellt, um ein erstes Training zu beginnen. Die ersten fünf Mannschaftsspiele fanden dann an den folgenden Sonntagen gegen Horstedt (0:1), zwei Mal Hesedorf (0:6 und 2:2), Gyhum (4:2) und Zeven (0:9) statt.

 

Am 11. Dezember 1945 begannen auch die Tischtennisabende auf dem Saal der Gastwirtschaft Heitmann. Die erste Tischtennismeisterschaft am 18. Dezember 1945 gewann Erwin Nowack, der in Nartum Nr. 13 (jetzt Heinz-Dieter Maack, Horstedter Straße) wohnte. Er hatte 42:24 Punkte errungen wobei jeweils nur zwei Sätze pro Paarung gespielt und die dabei erzielten Plus- und Minuspunkt addiert wurden, um den Sieger zu ermitteln. Die Tischtennismeisterschaften wurden fleißig mehrmals in der Woche zur Jahreswende 1945/1946 weitergeführt. Insgesamt nahmen daran 6 Männer, 5 Frauen und 5 Jungen teil. Am 19. Januar 1946 musste der Spielbetrieb unterbrochen werden, da keine Bälle mehr vorhanden waren.  

 

 

Vereinsgründung / Vereinsneugründung am 20. März 1946.

 

Für die offizielle Neugründung eines Sportvereins in Nartum war ein etwas längerer Weg in der damals britischen Zone notwendig. Zunächst wurde am 23. September 1945 eine schriftliche Anfrage an das Landratsamt Bremervörde gestellt. Dann bat man das Amt für Leibesübung und Jugendpflege in Bremen am 6. Oktober 1945 um Überlassung einer Satzung für Sportvereine. Die Bremer hatten die erste gültige Satzung im Nahbereich erstellt und von der zuständigen Militärregierung genehmigt bekommen. Zwecks Gründung eines Sportvereins in Nartum wurde der offizielle Antrag am 30. Oktober 1945 an die Militärregierung in Bremervörde gestellt. Gleichzeitig bestellte man bei der Druckerei Zeller in Zeven fünfzig Mitgliedsnachweise in Postkartengröße.  

 

Die erste Gründungsversammlung nach dem 2. Weltkrieg fand dann am 4. Dezember 1945 bei Gastwirt Heitmann statt. Der TSV Nartum – in einer Urkunde anlässlich des Verbandssportfestes in Nartum wird unter dem 1. Juni 1924 auch die Bezeichnung „Männerturnverein Nartum“ gebraucht  –  wurde in TuS Nartum (Turn- und Sportverein Nartum) umbenannt. Von den anwesenden 18 Personen waren 8 weiblich. Weitere Informationen sind dem fünfzeiligen Protokoll der ersten Gründungsversammlung vom 4. Dezember 1945 nicht zu entnehmen.

 

Mit dem Fortgang des (kommissarischen) Vereinsführers am 5. Februar 1946 nach Lübeck ruhte der Vereinsbetrieb dann bis zur offiziellen Gründungs- bzw. Neugründungsversammlung bei Gastwirt Johann Heitmann in Nartum Nr. 18 am 20. März 1946. An diesem Tage „wurde der Turn- und Sportverein unter Zustimmung sämtl. Anwesenden gegründet“, „nachdem der Versammlungsleiter die Ziele und Arbeiten des Vereins klargelegt hatte“. Zukünftig sollten die Sparten Turnen, Fußball, Tischtennis, Kegeln und Theatergruppe betrieben werden. Der Vorstand wurde durch Zuruf einstimmig wie folgt gewählt:

 1. Vorsitzender:                                 Hinrich Mindermann

 Stv. Vorsitzender und Jugendwart:   Fritz Tietjen

 Kassierer:                                          Werner Wetjen

 Schriftführer:                                     Fredy Grabau

 Männerturn- und Gerätewart:           Franz Schlei

 Frauenturnwart:                                 Dora Grabau

 Sportwart:                                         Johann Röhrs 38

Eine vorläufige Vereinssatzung wurde vorgelesen und einstimmig angenommen. Festgelegt wurde 1 RM Aufnahmegebühr pro Mitglied und 0,50 RM Beitrag monatlich für sämtliche Mitglieder. Insgesamt 55 Personen (37 Männer und 18 Frauen) sind in die Mitgliederliste des Turn- und Sportverein Nartum unter dem 20. März 1946 eingetragen.

 

 

Der Vereinsbetrieb in den Jahren 1946 und 1947.         

Über das Kalenderjahr 1946 wird berichtet, dass die Turnabende regelmäßig abgehalten und dass u. a. eine Jugendfußballmannschaft mit Spielführer Heinrich Helmers und eine Herrenfußballmannschaft mit Spielführer Erwin Nowack aufgestellt wurden. Der Fußballspielbetrieb scheint erst wieder mit Ende des Sommers in Gang gekommen sein, als es ein Spiel mit Gyhum am 15. September 1946 geben sollte.

 

Auf der Jahreshauptversammlung am 14. Januar 1947 wurde ein Inventarbestand dokumentiert. Es waren 11 Turnhosen, 2 Paar Fußballschuhe und 1 Fußball vorhanden. Sehr ernst muss es dann bei einer Mitgliederversammlung am 27. März 1947 gewesen sein, als 13 Vereinsmitglieder ausgeschlossen wurden, weil diese ihrer Beitragspflicht seit drei Monaten nicht mehr nachgekommen waren (Verstoß gegen § 12 der Satzung). Von diesem Vereinsausschluss war auch ein Vorstandsmitglied betroffen, das allerdings – wahrscheinlich nach Bezahlung des Beitragsrückstands – am 15. Juli 1947 wieder eingetreten ist.

 

Von großer Aktivität der Sparte Fußball ist ab Frühjahr 1947 die Rede. Während die 1. Mannschaft an den Punktspielen der 2. Kreisklasse teilnahm, wurde zusätzlich eine 2. Mannschaft mit Spielführer Willi Intemann aufgestellt. Nach fünf Siegen in Folge gegen Heeslingen II (3:1), Sittensen IV (2:1), Wehldorf (2:1), Taaken (4:1) und Tiste II(4:2) gewann die 1. Mannschaft die Kreismeisterschaft der 2. Kreisklasse. Das entscheidende Spiel auf neutralem Platz in Zeven gegen Rhade II gewann unsere Elf mit 4:0. Dabei schoss Heinz Prygoda alleine 3 Tore. Ein Spiel gegen Wehldorf musste nach einem Protest der Nartumer wiederholt werden, weil der Wehldorfer Schiedsrichter parteiisch war. Nach Beendigung der Punktspielsaison wurden 5 Pokalfeste in Bülstedt, Oldendorf, Horstedt, Selsingen und Otterstedt besucht. Selbst wurde am 6. Juli 1947 auch ein Pokalfest in Nartum mit einem Freundschaftsspiel gegen Ostervesede ausgetragen. Bei der abendlichen Siegerehrung mit Tanz erhielt der TuS Heeslingen den Pokal (Urkunde) überreicht. Während der Herbstserie des Spieljahres 1947/48 musste das Punktspiel in Selsingen wegen Fahrschwierigkeiten abgesagt werden. Es ist bekannt, dass zu Auswärtsspiele meistens mit dem Fahrrad gefahren wurde. Dieses ist auch noch auf dem Spielplakat vom November 1950, das als Fotokopie vorliegt, zu erkennen.

 

Auf einen weiteren Höhepunkt des TuS Nartum im Jahre 1947 ist anlässlich des Verbandssportfestes in Sittensen hinzuweisen. Hier nahmen am 3. August 1947 20 männliche und 12 weibliche Vereinsmitglieder teil. Dabei konnten Lore Harstick, Inge Gebers (jetzt Inge Bohling) und Hermann Bohling jeweils Sieger in ihren Altersklassen werden.

 

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 29. Januar 2010. Recherchiert und vorgetragen von Friedhelm Helmers)