Vereinsbetrieb in den Jahren 1951 bis 1953

Der Vereinsbetrieb in den Jahren 1951 bis 1953 .   

 

Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins sowie in der Vereinschronik wird über nachfolgende Themen des Vereinslebens berichtet:

 

An der Jahreshauptversammlung am 3. Februar 1951 nahmen 54 Mitglieder teil, die bei den Vorstandswahlen Hinrich Mindermann nach zweijähriger Unterbrechung als 1. Vorsitzenden, Johann Funke als 2. Vorsitzenden, Fredy Grabau als Kassenwart und Gustav Dohrmann als Schriftwart für jeweils 1 Jahr bestimmten. Außerdem wurden erstmals Johanne Wetjen als Frauenturnwart, Adolf Herrmann als Tischtennisfachwart und Hinrich Mindermann als Leiter der Theatergruppe gewählt.

 

Das Aufstellen eines Verkaufsstandes auf dem Sportplatz wurde unserem Vereinswirt Heitmann auf der o. a. Jahreshauptversammlung umsonst gestattet. Von anderen Interessenten sollte hierfür ein Platzgeld von 50 DM verlangt werden. Der Verfasser kann sich noch gut daran erinnern, dass in den 1950er Jahren Vereinswirt Heinrich Heitmann anlässlich der sonntäglichen Fußballspiele mit einem von einem Pferd gezogenen Wagen, der mit Getränken, Süßwaren und einem ca. 90 x 90 cm großen Tisch beladen war, auf dem Sportplatz bei der Schule erschien. Während und nach Beendigung des Fußballspiels verkaufte er die mitgebrachten Waren. Sein Pferd spannte er in dieser Zeit beim Schulnachbarn Heinrich Höhns aus. Anlässlich der jährlich vom TuS Nartum durchgeführten Pokalturniere, die stets bis in die Abendstunden dauerten, errichtete unser Vereinswirt einen festen Verkaufstresen in der zuvor geräumten Durchfahrts- und Torfscheune des Schulnachbarn Heinrich Höhns, um so die Besucher und Zuschauer mit Getränken und Süßwaren (Bratwurst und Pommes Frites hatten sich seinerzeit noch nicht als Zwischenmalzeit in Nartum durchgesetzt) umfassend zu versorgen. Später, in den frühen 1970er Jahren, baute Heinrich Heitmann ein festes Verkaufshäuschen direkt zwischen Spielfeldrand und der Straße „Am Sportplatz“ zwischen zwei Lindenbäumen.

Der ursprüngliche Termin für das 30-jährige Vereinsjubiläum am 17. Juni 1951 konnte nicht eingehalten werden, da an diesem Tage mehrere Festlichkeiten in der Umgebung geplant waren. Stattdessen beging man das Jubiläum am 12. August 1951 mit den eingeladenen Sportvereinen aus Gyhum, Elsdorf, Grasberg-Eickedorf, Otterstedt, Mulmshorn und Wehldorf. Nach dem Empfang um 13:30 Uhr erfolgte ein Umzug durch den Ort mit Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal. Danach zeigten die Männer Geräteturnübungen, die Frauen und Mädchen Volkstänze und die Schulkinder verschiedene Vorführungen in der Weide des Vereinswirtes Heitmann. Zum abendlichen Tanz wurde die Musikkapelle Tetzlaff für 150 DM engagiert.

 

Für den Bau eines neuen Sportplatzes in der Dorfmitte bei der Schule mussten alle männlichen Mitglieder herangezogen werden. Hierzu wurden am 3. Februar 1951 drei Gruppen unter der Regie von Gustav Dohrmann, Heinz Funke und Adolf Herrmann zusammengestellt, die jeweils im Wechsel sonntags die erforderlichen Handarbeiten erledigen sollten. Das stark abfallende Gelände musste begradigt werden, um eine waagerechte Spielfläche zu erhalten. Zunächst wurde das Erdreich auf der westlichen Seite des neuen Sportplatzes mit dem Spaten abgetragen und auf Loren geladen. Anschließend wurden die Loren auf Schienen auf die östliche Seite geschoben und dort entladen um das hier abfallende Gelände aufzufüllen. Bei dieser schweißtreibenden Schwerstarbeit, bei der auch eine skelettierte Leiche gefunden wurde,  sind im Laufe des Jahres 1951 ca. 2.500 cbm Erdreich per Hand bewegt worden, im Durchschnitt also rund 50 cbm pro Person. Die Einweihung des neuen Sportplatzes ist nach der endgültigen Fertigstellung am 11. Mai 1952 erfolgt. Hierzu wurde nach den Aktivitäten auf dem Sportplatz auch ein Tanzvergnügen abgehalten. Die gesamten Einweihungsfeierlichkeiten, die u. a. mit Vertretern der Gemeinde Nartum geplant und durchgeführt wurden, bescherten dem Verein einen Überschuss von 97,94 DM.                         

 

Ende 1951 stand die I. Fußballmannschaft auf einem schlechten Tabellenplatz. Der Fachwart Martin Ternes brachte auf der Jahreshauptversammlung am 9. Februar 1952 zum Ausdruck, dass die jetzt aktiven Spieler unbedingt solange aushalten müssten, bis neuer und jüngerer Ersatz zur Verfügung ist. Im Laufe des Jahres 1952 besserte sich die Tabellensituation nicht. Allerdings wurde auf dem Pokalfest in Wehldorf ein Pokal erkämpft. Erst im Jahre 1953 ging es wieder aufwärts, so dass nach Abschluss der Herbstserie der 2. Tabellenplatz belegt werden konnte. Zu dem Zeitpunkt ließen allerdings die Leistungen der Jugendmannschaft noch viel zu wünschen übrig. Zu Auswärtsspielen sollte versucht werden, die Spieler mit Motorrädern zu befördern. Durch diese Maßnahme versprach man sich Anfang Februar 1952 eine Einsparung von Personenbeförderungskosten.  

 

Im Jahre 1951 war bei den Männerturnern leistungsmäßig eine Stagnation von dem damaligen Turnwart Klaus-Hinrich Wülpern festgestellt, obwohl er die Beteiligung als gut bezeichnete. Wesentlich schlechter waren die Frauen und Mädels dran, da die älteren der jungen Mädchen die Aktivitäten restlos aufgegeben hatten. Eine Besserung hatte sich aber bis Ende 1953 wieder eingestellt. Zu der Zeit erschien die I. Männerriege regelmäßig mit 7 Mann zu den Übungsabenden und auch die Beteiligung der 8 Turnerinnen starken Frauenriege war als zufrieden stellend zu loben. Nur die II. Männerriege machte wegen unregelmäßiger Aktivitäten nicht viel von sich reden. Die bei auswärtigen Turnfesten errungenen Urkunden wurden dem 1. Vorsitzenden während der jeweiligen Jahreshauptversammlungen übergeben.     

 

Die Tischtennisspieler ließen ab 1950 immer stärker bei ihren Aktivitäten nach, obwohl für sie eigens der Samstagabend als Trainingstermin eingerichtet war. Im Jahre 1953 kam der Übungs- und Spielbetrieb hier ganz zum Erliegen.

 

„De Swinskomödie“ in 3 Akten war im Januar 1951 von der Theatergruppe mit gutem Erfolg aufgeführt worden. Auf der Jahreshauptversammlung am 9. Februar 1952 wurde beschlossen, das im Vormonat bereits aufgeführte Theaterstück „De Aukschon“ für Kinder und ältere Leute in der Fastenzeit nochmals zu präsentieren, um die Vereinskasse wieder etwas aufzufüllen. Im Februar 1953 übten Klaus-Hinrich Wülpern, Hinrich Höhns, Hans-Hermann Mindermann, Hannes Borchers, Margret Reiners und Anita Brüning bereits ein neues Theaterstück ein.

 

Anlässlich der Mitgliederversammlung am 27. November 1953 wurden folgende Neuanschaffungen beschlossen: Für die I. Männerturnriege lange weiße Hosen, für die Damenriege weiße Turnkleider und für die Fußballmannschaft eine Torwartkluft. Bei der Bestellung der Torwartkluft, die seinerzeit dem Schriftwart Gustav Dohrmann oblag, ergab sich mit dem Lieferanten ein intensiver Schriftverkehr. Um darzustellen, wie man zur damaligen Zeit per Brief bzw. Postkarte miteinander kommunizierte und formulierte, wird aus der Bestellausführung der Fa. Sport – Neumann, 17a Weinheim/Bergstr., Nördl. Hauptstr. 2 vom 19. Januar 1954 wie folgt auszugsweise zitiert:

„Mein sehr geehrter und lieber Herr Dormann!

Inzwischen war ich auf der Wiesbadener Sportmesse. Das Versäumte bitte ich also entschuldigen zu wollen. Haben Sie herzlichen Dank für Ihre freundliche Bestellung. Diese wird nun wie folgt heute ausgeführt:

1 Ia Torwartpullover wie gewünscht in schwarz u. Gr. 5. Hierzu habe ich folgendes zu berichten. Zuerst bot ich Ihnen einen Pullover an zum Preise von 20.0 bis 30.–. Aber lieber Herr Dormann, ich habe mich selbst davon überzeugt, dass diese Qualität mir zu leicht war, zumal noch für Sie, der Sie mir für immer treu bleiben sollen. Außerdem hat Ihr Verein ja auch nicht das Geld so billig herumliegen, dass in einem Jahr sich der Torwart schon wieder nach einem neuen Pullover umsehen muss. Sie kennen mich ja, dass ich Ihnen stets nur das allerbeste liefere! Und gerade in der Norddeutschen Kälte sollte man das allerbeste kaufen!!! Hinzu kommt, dass der Betreffende den Pullover auch außerdienstlich tragen kann und wird. Sie können sich selbst von der Ia Güte dieses Stückes überzeugen. Da der Preis sonst ein wesentlich höherer wäre, lasse ich Ihnen trotzdem für DM 41.–. Es handelt sich um100%ige, reine französische Wolle! Es ist ein prima Stück. Hier kommt es wirklich auf DM 10.– nicht an. Ich hoffe Sie damit einverstanden. ……..“

Im weiteren Text der Bestellausführung wird bei den bestellten Knieschützern auf die Vorzüglichkeit der neuen durchgepolsterten Ware  gegenüber der Schwammgummipolsterung auf die mit neuer Polsterung versehenen Torwarthose hingewiesen.

 

Während dem Turn- und Sportverein Nartum am 31. Dezember 1949 68 Mitglieder angehörten, entwickelte sich dieser Bestand kontinuierlich bis zum 31. Dezember 1953 auf 92. Zusätzlich wurden mit Johann Wedemeyer und Friedrich Wetjen aus Nartum sowie Lehrer Heinrich Schwedt aus Horstedt 3 Ehrenmitglieder in der Mitgliederliste geführt. Auch der Kassenbestand wuchs im Laufe des o. a. Zeitraumes von 330,20 DM um 305,70 DM auf 635,90 DM. Dabei war die Liquidität durch ein Defizit im Jahre 1950 zwischenzeitlich auf 27,40 DM abgeschmolzen. Aus dem Kassenbericht für 1952 geht übrigens hervor, dass man seinerzeit den Festen mit Tanz und Musik sehr aufgeschlossen gegenüberstand. Anlässlich des Theaterballs am 27.1.1952, der Sportplatzeinweihung am 11.5.1952 und dem Pokalfest am 8.6.1952 investierte man 629,36 DM in Musik, Gema, Werbung, Tanzscheine und Gemeinde- und Steuerabgaben. An Einnahmen für Tanz- und Eintrittsgeld wurden gleichzeitig 789,90 DM erzielt, so dass unter dem Strich ein Überschuss von 160,54 DM für den Verein blieb.

 

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 20. Januar 2012. Recherchiert und vorgetragen von Friedhelm Helmers.