Finanzielles, Vereinsbetrieb und Vereinssatzung (1950 bis 1956)

Die finanzielle Seite des Vereins zu Beginn der 50er Jahre, der Vereinsbetrieb in den Jahren 1954 und 1955 und die Verabschiedung der Vereinssatzung im Februar 1956.   

 

Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins sowie in der Vereinschronik wird u. a. über nachfolgende Themen des Vereinslebens berichtet:

 

 

Bei Durchsicht des Kassenbuches des Turn- und Sportverein Nartum für die Zeit vom 1. Januar 1951 bis zum 31. Dezember 1961 sind für die ersten drei Jahre stets positive Abschlüsse zu finden, wenn die Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt werden. So ergibt sich für das Jahr 1951 ein Überschuss von 178,60 DM (1.752,95 DM Einnahmen, 1.574 35 DM Ausgaben), für das Jahr 1952 ein Überschuss von 94,00 DM (1.759,47 DM Einnahmen, 1.665,47 DM Ausgaben) und für das Jahr 1953 ein Überschuss von 335,90 DM (1.512,02 DM Einnahmen, 1.176,12 DM Ausgaben). Auf der Jahreshauptversammlung am 3. Februar 1955 erfuhren die 59 teilnehmenden Mitglieder jedoch von Kassenwart Hans-Hermann Mindermann, dass sich das Vereinsvermögen durch einen Verlust im Jahre 1954 von 245,70 DM verringert hatte und per 31. Dezember 1954 nur noch 390,20 DM betrug. Diese negative Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ist u. a. wohl auch auf die Anschaffung von Fußballschuhen und Nessel für Turnkleider zurückzuführen, wofür 189,50 DM an Hermann Brüning (Kassenbucheintrag vom 10. Februar 1954) bezahlt wurden. Der vom Kreissportbund Bremervörde dafür beantragte und auch bewilligte Zuschuss in Höhe von 63,00 DM konnte nicht mehr der aktuellen Abrechnungsperiode als Einnahme zugeführt werden, weil die benötigte Bescheinigung, dass die angefertigten Turnkleider im Eigentum des TuS Nartum verbleiben, erst am 10. Dezember 1954 an Kreiskassenwart Friedrich Behrens nach Sittensen übermittelt wurde. Obwohl die Beiträge der 101 Mitglieder (89 männliche und 12 weibliche), dokumentiert per Bestandserhebungsbogen des Landessportbundes per 1. März 1955, mit monatlich 0,50 DM unverändert blieben, konnte das Vereinsvermögen im Folgejahr wieder gestärkt und mit 551,00 DM ausgewiesen werden. Die Einnahmen konnten nämlich um 168,62 DM auf 2.274,55 DM gesteigert, und die Ausgaben um 237,88 DM auf 2.113,75 DM vermindert werden. Ein nicht unerheblichen Anteil zur Verbesserung der finanziellen Vereinssituation mag vielleicht darin bestanden haben, dass für das Kassieren des Eintritts auf dem Sportplatz mit Johann Borchers, Heinz Lohmann, Hinrich Höhns und Rudolf Dohrmann vier Vereinsmitglieder aktiv wurden, die den neu gewählten Kassenwart Friedrich Grabau gut unterstützten.

Im Anhang des o. a. Kassenbuches finden sich weitere interessante Informationen. So werden für den neuen Sportplatz, der von 1950 bis 1952 gebaut wurde, auf einem Sonderkonto Ausgaben von 678,12 DM registriert. Alleine 610,00 DM davon waren für die Bezahlung des erworbenen Grundstückes an den vorherigen Besitzer Hermann Michaelis, Nartum Nr. 17 bestimmt. Dieser erhielt die Summe in Teilbeträgen am 31. Oktober 1950 und 24. Mai und 30. August 1951. Außerdem werden auf einer weiteren Seite als Sparkonto Nr. 52 unter dem 30. Juni 1959 und 28. Mai 1960 insgesamt 700,00 DM als Rücklagen für eine Vereinsfahne aufgeführt.

 

Über die sportlichen Aktivitäten ist den Protokollen folgendes zu entnehmen:

Für das Jahr 1954 berichtete Männerturnwart Erwin Schröder von zwei Riegen (I. Riege 7 Mann, II. Riege 10 Mann), die zum Jahresende einen guten turnerischen Zustand aufwiesen. Die 8-köpfige Frauenturnriege unter der Regie von Margret Reiners war ebenfalls mit ihren Leistungen vorangekommen, obwohl hier kleine Meinungsverschiedenheiten vorgekommen waren. In der Jahreshauptversammlung am 4. Februar 1956 bedauerte Erwin Schröder allerdings, dass im Jahre 1955 die Beteiligung am Turnen sehr stark zurückgegangen sei und er daher appellierte, sich dem Geräteturnen wieder mehr als bisher zuzuwenden. In der Aussprach über die Gründe, die den Turnbetrieb zurückgehen ließen, hieß es, dass die fortschreitende Motorisierung die motorrad- und mopedfahrende Jugend zu sehr von der Pflege des Sportes abhalte.

Fußballwart Martin Ternes unterrichtete die Anwesenden der Jahreshauptversammlung, dass die I. Herrenmannschaft zum Ende der Herbstserie 1954 mit 13:13 Punkten den 7. Tabellenplatz der Staffel Süd belegte. Auch hatte sich die Jugendmannschaft recht gut gehalten, was eine erfolgreiche Frühjahrspunktspielsaison erwarten ließ. Mannschaftsführer Erhard Herrmann nahm Abschied vom Verein, weil er in nächster Zeit von Nartum wegziehen wollte. Ein Jahr später, nach der Herbstserie 1955, musste Martin Ternes auf die zahlreich verlorenen Spiele der I. Herrenmannschaft eingehen. Folgerichtig ermutigte er anschließend die Spieler nicht nachzulassen im Einsatz, sondern noch mehr des Sonnabends mit den eigenen Kräften hauszuhalten, damit sie am nächsten Tag voll kampffähig seien. In der lebhaften Diskussion dazu ergab sich eine gewisse Unruhe über verschiede Strafen (Geldstrafen), die vom Kreissportgericht verhängt worden waren.

 

Unter dem Punkt „Verschiedenes“ der Jahreshauptversammlung nach Abschluss des Jahres 1954 wünschten sich die Turner eine neue Gummimatte, die Fußballer Wegegeld für Vereinsfahrten und die Mehrheit der Anwesenden Vereinsanstecknadeln. Alle Mitglieder, die dem Verein 25 Jahre und länger die Treue hielten, sollten zur Anerkennung eine Ehrennadel und eine Urkunde erhalten. Außerdem bemängelte Turnbruder Hermann Brüning, dass die Reparaturen der Vereinsfußballschuhe viel zu teuer gewesen seien. Er stellte in Aussicht dass er diese Arbeit billiger, ja im Vereinsinteresse umsonst, in seiner Schuhmacherwerkstatt ausführen wolle.

Zu Beginn der Jahreshauptversammlung am 4. Februar 1956 wurde vom 1. Vorsitzenden Hinrich Mindermann auf die Bedeutung und Wichtigkeit der neu erstellten Satzung hingewiesen. Die bisher gültige Satzung, die seit dem 20. März 1946 in Kraft war, beinhaltete in ihren 21 Paragraphen zwischenzeitlich zum Teil nicht mehr zeitgemäße Leitsätze und Formulierungen. Dieses kommt u. a. bei der Gegenüberstellung des § 2 „Zweck des Vereins“  zum Ausdruck. In der alten Satzung hieß es: „Aufgabe des Vereins ist die Hebung und Förderung der Volkskraft und Volksgesundheit. Diese soll durch die Pflege von Leibesübungen erreicht werden, auf Grundlage des Amateurgedankens.“ In der neuen Satzung stand im § 2  „Zweck des Vereins“ folgender Text: „Zweck des Vereins ist es, Turnen, Leichtathletik und das Fußballspiel zu betreiben und den Sport in seiner Gesamtheit zu fördern und auszubreiten. Dadurch und durch die Jugendpflege erstrebt er die sittliche und körperliche Ertüchtigung seiner Mitglieder. Auch die Ausübung des Laienspiels gehört zu den Aufgaben des Vereins. Sein Zweck ist nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet. Er dient ausschließlich der Pflege des Turnens und des Sports im Amateursinne.“

Die unterschiedlichen Inhalte und Formulierungen treten auch bei den jeweiligen Paragraphen zutage, die die Pflichten und Rechte der Mitglieder behandeln. Während die Mitglieder laut alter Satzung die Pflicht hatten die „Förderung der in den Satzungen niedergeschriebenen Grundsätze des Vereins und Teilnahme an allen Versammlungen und Veranstaltungen des Vereins“ zu befolgen, waren die Mitglieder gemäß neuer Satzung verpflichtet, „nicht gegen die Interessen des Vereins zu handeln“ und „an allen sportlichen Veranstaltungen ihrer Sportart nach Kräften mitzuwirken“. Außerdem war gemäß alter Satzung „jedes Mitglied verpflichtet, im Falle eines Sportunfalls die dadurch entstehenden Kosten und sonstigen Folgen selbst zu tragen und zu verantworten, bis ein Vertrag mit einer Versicherungsgesellschaft abgeschlossen ist“. Nach der neuen Satzung bestand das Recht der Mitglieder, „vom Sport einen ausreichenden Versicherungsschutz gegen Unfälle zu verlangen“.

Die Auflösung des Vereins konnte laut alter Satzung mit 90% der Stimmen der anwesenden Mitglieder einer Generalversammlung beschlossen werden. Gemäß neuer Satzung sollten schon 80% eine Vereinsauflösung beschließen können unter der Bedingung, dass mindestens 80 % der stimmberechtigten Vereinsmitglieder anwesend sind. Nach der Auflösung des Vereins sollte das Vereinsvermögen nach Begleichung aller Schulden in beiden Satzungen der Gemeinde Nartum übereignet werden. Allerdings sollte laut alter Satzung die Gemeinde mit diesem Geld „einen neuen Sportverein unterstützen, sobald ein solcher sich später wieder bildet“. Gemäß neuer Satzung hatte die Gemeinde das übereignete Vereinsvermögen „zu Gunsten des Sports für die Schule zu verwenden“.

Nachdem die einzelnen Paragraphen den Anwesenden der Jahreshauptversammlung zu Gehör gebracht waren, nahmen alle 50 Stimmberechtigten die neue Vereinssatzung ohne Änderungen an. Somit hatte die alte Satzung nach knapp 10 Jahren „ausgedient“. Die neue Satzung, die bereits am 16. Juli 1955 verfasst und von den Vereinsmitgliedern Hinrich Mindermann, Johann Funke, Friedrich Grabau, Hans-Edwin Scholz, Heinz Prygoda, Hans-Hermann Mindermann und Willy Bohling unterzeichnet wurde, trat mit dem 4. Februar 1956 in Kraft.

 

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 25. Januar 2013. Recherchiert und vorgetragen von Friedhelm Helmers.