Vereinsbetrieb in den Jahren 1958 bis 1961

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921
e.V. zur Jahreshauptversammlung am 22. Januar 2016:
Der Vereinsbetrieb in den Jahren 1958 bis 1961.
Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins sowie in der Vereinschronik
wird u. a. über nachfolgende Themen des Vereinslebens berichtet:
Die Jahreshauptversammlungen fanden bis 1960 oft erst im April statt. Grund
dafür war der § 28 der Satzung, wonach das Geschäftsjahr am 1. April begann
und am 31. März endete. Am 30. April 1960 wurde mit einer Satzungsänderung
das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr gleichgestellt, so wie es auch die einzelnen
Sportverbände handhabten. In der Regel wurde auf den Jahreshauptversammlungen
intensiv, langatmig und zäh diskutiert, so dass diese nicht selten 3 ½ bis
4 Stunden dauerten und erst nach Mitternacht endeten. Als Lohn wurden danach
Würstchen aus der Vereinskasse spendiert, wobei überzählige Würstchenpaare
die Mitglieder erhielten, die von auswärts erschienen waren. Ab dem 22. Februar
1957 führte Lehrer Manfred Flock als 1. Vorsitzender den Verein. Als weitere
Vorstandsmitglieder standen ihm Hermann Brüning als 2. Vorsitzender,
Friedrich Grabau als Kassenwart und Hans-Edwin Scholz als Schriftwart zur
Seite. Dieses Vorstandsquartett blieb unverändert bis zur Jahreshauptversammlung
am 18. Januar 1964 zusammen.
Fußballobmann Johann Borchers berichtete über die Aktivitäten der Jahre 1958
bis 1961. In dieser Zeit durchlebte die 1. Herrenmannschaft Höhen und Tiefen.
So wurde dank guter Kameradschaft und ansprechender Leistungen 1958 ein
günstiger Tabellenplatz erreicht, der zum Aufstieg in die neu gegründete Kreisliga
Bremervörde führte. Die Kreisligazugehörigkeit währte jedoch nur ein Jahr
und endete mit dem Abstieg. Dennoch wurde über diese Saison mit dem Gewinn
des Fairnesswettbewerbs ohne einen einzigen Strafpunkt und der Erringung
von 3 Pokalen auch positiv berichtet. Im Folgejahr 1960 ließ vorübergehend
die Disziplin der Mannschaft nach. Nach kurzer Durststrecke besserte sich
das Verhalten der Spieler, so dass der alte Standard wieder hergestellt war. Ergebnis
war ein guter Tabellenplatz zum Ende der Saison.
Auch für Schüler (bis 14 Jahre) und Jugend (15 bis 18 Jahre) rollte der Fußball
in Nartum. Zuvor war jedoch immer eine sportärztliche Untersuchung erforderlich,
die Dr. Kubat aus Gyhum im Klassenraum unserer Nartumer Schule vornahm.
Bei der Untersuchung 1959 konnte er 21 Jugendlichen Sportgesundheit
attestieren. Die Schülermannschaft war stets mit Eifer bei der Sache. Hier setzten
sich Johann Borchers, Heinz Lohmann und insbesondere Lehrer Hans-
Edwin Scholz als Betreuer für den jüngsten Fußballnachwuchs ein, um ihnen
die taktischen, kämpferischen und moralischen Tugenden beizubringen. Als BeSeite
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treuer für die Jugendmannschaft war Wilhelm Dohrmann zuständig. Zunächst
waren nur sporadische Erfolge zu erkennen, weil einige Kameraden zu Beginn
der Fußballspiele sonntags um 12 Uhr ihr Schlafdefizit der vorangegangenen
Nacht noch nicht ausgeglichen hatten. Sie erschienen meistens erst kurz vor
Beginn der 2. Halbzeit oder überhaupt nicht auf dem Fußballplatz. Zu diesem
Zeitpunkt lag ihre bis dahin dezimierte Mannschaft dann schon hoffnungslos
auf der Verliererstraße. Diese Unpünktlichkeit bzw. Unkameradschaftlichkeit
konnte später abgestellt werden. Der Abschlussbericht für 1960/61 beinhaltet
nämlich die Erringung des 4. Tabellenplatzes und Besserung der Moral.
Mit Martin Ternes, damals und heute wohnhaft in Zeven, hatte der TuS Nartum
einen exzellenten Schiedsrichter, der Fußballspiele auf höherer Ebene leitete.
Unermüdlich bemühte er sich um die Ausbildung dringend benötigter Schiedsrichter.
Nach mehreren Aufrufen erklärten sich 1962 dann Erhard Hermann und
Siegfried Sauerbaum bereit, einen Schiedsrichterlehrgang zu besuchen. Erhard
Hermann hat diesen Lehrgang erfolgreich abgeschlossen und ist noch viele Jahre
für unseren Verein als Fußballschiedsrichter aktiv gewesen.
Turn- und Sportwart Hermann Brüning beklagte in den Jahren 1958 bis 1961
die Müdigkeit und fehlende Aktivitäten der Turnerinnen und Turner. Er meinte,
wenn die zum Teil neu angeschafften Turngeräte nicht bald aus der Ecke geholt
würden, verwaisten und verrosteten sie dort. Seine Klagen untermauerte er zusätzlich
mit dem Hinweis: „Turnen aufgeben heißt am eigenen Körper sündigen“.
Bürgermeister Bruns unterstrich diesen Hinweis und betonte, dass ein
durch Turnen gewandt gewordener Jugendlicher bei der Bundeswehr gern gesehen
sei und dort ein leichteres Fortkommen hätte. Nachdem nochmals zum
Übungsturnen freitagabends auf dem Saal des Vereinslokals Heitmann aufgefordert
wurde und als Beispiel die vorwärtsstrebenden Bülstedter, die schon in
einer eigenen Turnhalle aktiv waren, genannt wurden, sagten 6 männliche Turner
ihr Kommen zu. Außerdem sollten auch alle Fußballer zum Turnen eingeladen
werden. Leider hat sich der Turnbetrieb, insbesondere das Geräteturnen,
trotz inniger Appelle in der Folgezeit im TuS Nartum nicht wieder erholt.
Auch die Tischtennisspieler erlebten schwere Zeiten. Durch den Fortgang des
Spartenleiters Wojack und die Wehrpflicht seines Nachfolgers Heinz Wedemeyer
war der Spielbetrieb, der immer donnerstags auf dem Saal des Vereinslokals
durchgeführt wurde, im Jahre 1959 eingeschlafen. Trotz Anschaffung
einer neuen Netzgarnitur für den einzig vorhandenen Tischtennistisch ist der
Spielbetrieb erst wieder im November 1963 langsam in Gang gekommen. Zunächst
versuchten 8 Jungen und 9 Mädchen ihr Glück mit dem weißen Ball aus
Celluloid. Im Januar 1964 erklärten weitere 10 Vereinsmitglieder dienstags zum
Spielen zu kommen. Nach Anschaffung eines zweiten Tischtennistisches wurde
der Punktspielbetrieb dann erstmals im Jahre 1965 mit einer Mannschaft aufgeSeite
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nommen. Mittlerweile ist die 50. Punktspielsaison beendet. Ein Jubiläum, das
sicherlich noch in diesem Jahr seine nachträgliche Würdigung erfahren wird.
Schriftwart Hans-Edwin Scholz, gleichzeitig für Sozialangelegenheiten zuständig,
informierte die Vereinsmitglieder im April 1959 eindringlich darüber, dass
er bei Sportunfällen sofort unterrichtet werden müsse, damit die Versicherung
unverzüglich die näheren Umstände der Verletzung erfahre. Der Gerling-
Konzern, seinerzeit Versicherer vieler Sportvereine, hatte kurzfristig veränderte
Bedingungen zum Sportunfallschutz bekanntgegeben. Leider sind seine Bitten
in der Folgezeit nicht immer ausreichend beachtet worden. Bei der Abwicklung
eines Sportunfalls traten nämlich Schwierigkeiten auf. Hans-Edwin Scholz
musste in dem Zusammenhang die Anwesenden während einer Jahreshauptversammlung
darüber in Kenntnis setzen, dass keine endgültigen Klarheiten über
den Verbleib einer zweiten Geldsendung vom Gerling-Konzern mehr zu erlangen
waren, weil der Vorfall schon über zwei Jahre zurücklag. Zum besseren
Verständnis sei angemerkt, dass zu der Zeit der Verein des verunfallten Sportlers
die Arzt- und Krankenhausrechnungen direkt zu bezahlen hatte. Anschließend
holte er sich diese vorgeschossenen Geldbeträge auf Antrag von der Versicherung
zurück. Als Sozialwart hatte Hans-Edwin Scholz in kurzer Zeit die
Regulierung von vier Sportverletzungen, die sich Richard Brüning, Hans-
Günter Kloss, Wilhelm Dohrmann und Johannes Borchers bei Fußballspielen
zugezogen hatten, abzuwickeln.
Auch vor rund 55 Jahren musste der Kassenwart des TuS Nartum sparsam
haushalten, wollte er das Vereinskonto bei der Spar- und Darlehenskasse im
Guthabenbereich führen. Da die Nartumer stets gerne feierten, wurde zu Beginn
des Jahres immer der Turnerball, später das Kappenfest durchgeführt. Diese
Vergnügungsveranstaltungen warfen einen erheblichen Überschuss ab, so dass
in der Regel die Liquidität für die erste Jahreshälfte gesichert war. Den Aufzeichnungen
des Kassenbuches für die Abrechnung des Kappenfestes mit Tombola
vom 7. März 1962 ist z. B. ein Gewinn von 441 DM zu entnehmen. Dieser
ergab sich aus den Einnahmen für Tanzeintritt, Kappen und Tombola-Losen in
Höhe von 1.280 DM, dem Ausgaben in Höhe von 839 DM gegenüberstanden.
Das gute Ergebnis wurde in erster Linie erst dadurch möglich, dass man mit der
Kapelle Jonny Kröger, die immerhin 220 DM für ihren Auftritt bekam, eine zu
der Zeit sehr beliebte Band engagierte, die viele vergnügte Sportler auf den Saal
des Vereinslokals gelockt hatte. Durch die finanziell erfolgreichen Tanzveranstaltungen,
wozu auch das jährlich stattfindende Pokalfest am 2. Sonntag im
August gehörte, konnte der Monatsbeitrag in Höhe von 50 Pfennig jahrelang
unverändert belassen werden. Ja, man war sogar in der Lage 700,00 DM für die
Anschaffung einer neuen Vereinsfahne zurückzulegen.
Nartum, den 22. Januar 2016                                                       Friedhelm Helmers