Entwicklung der Fußballabteilung in den 1960er und 1970er Jahren

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 13. Januar 2017:

Die Entwicklung der Fußballabteilung des TuS Nartum in den 1960er und 1970er Jahren.    

Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins sowie in der Vereinschronik und aus Erinnerungen des Verfassers wird über die Entwicklung der Fußballabteilung unseres Vereins berichtet:

Zu Beginn der 1960er Jahre nahmen eine Herren-, eine Jugend-, und eine Schülermannschaft unseres Vereins am geregelten Spielbetrieb teil. Davor gab es immer mal wieder, je nach vorhandenem Spielermaterial, auch eine II. Herrenmannschaft. Sie bestritt bei Punktspielen der I. Herrenmannschaft ein Vorspiel gegen die II. Mannschaft des Gastgebers bzw. Gastes der I. Mannschaft. Auch war zeitweise eine II. Schülermannschaft in den Spielbetrieb integriert. Während Mitglieder einer Jugendmannschaft 14 – 17 Jahre alt waren, war das Alter der Schülermannschaften nur für Knaben bestimmt, die nicht älter als 13 Jahre waren.

Der jährliche Spielbetrieb war in 3 Kategorien unterteilt. An erster Stelle stand der Punktspielbetrieb, der, wie heute auch, als Herbst- und Frühjahrsserie, unterbrochen durch eine Winterpause von Dezember bis Februar, abgewickelt wurde. Gespielt wurde nach dem Zweipunkte-System, das heißt für einen Sieg gab es 2 Pluspunkte, für ein Unentschieden je 1 Plus- und Minuspunkt und für eine Niederlage 2 Minuspunkte. In der Regel waren pro Saison 26 bis 30 Punktspiele auszutragen. Der Kreismeister des NFV-Kreisverbandes Bremervörde wurde, da es zwei Kreisklassen gab, in einem Entscheidungsspiel zwischen den Meistern der Kreisklasse Süd und Nord ermittelt.

Neben dem Punktspielbetrieb gab es auch einen Pokalwettbewerb auf  Kreisebene. Hier ermittelte man den Kreispokalgewinner in den heute noch praktizierten k.o.-Runden bis zum abschließenden Finale.

Als dritte Kategorie sind die damals beliebten Blitz-Pokalturniere zu nennen, die in den Sommermonaten ab Mitte Mai von den einzelnen Vereinen organisiert und an einem langen Sonntagnachmittag durchgeführt wurden. In der Regel wurden dazu 6 bis 8 Mannschaften aus der näheren Nachbarschaft sowie befreundete Vereine eingeladen. Zu den Pokalturnieren in Nartum, die immer am 2. Sonntag im August veranstaltet wurden, waren insbesondere die Mannschaften aus Horstedt, Wehldorf (später Hesedorf), Oldendorf, Rüspel, Mulmshorn,  Reeßum, Otterstedt, Taaken, Steddorf,  Fischerhude und Vorwerk zu Gast. Diese spielten in zwei Gruppen jeder gegen jeden 2 x 10 oder 2 x 20 Minuten die Gruppensieger aus, die danach im Tagesendspiel den Pokalsieger unter sich ermittelten. Da der gastgebende Verein sich nicht an den Gruppenspielen beteiligte, lud er sich zu einem Zwischenspiel über 2 x 90 Minuten eine attraktive Mannschaft ein. Abends wurde dann im Rahmen eines Festballs auf dem Saal des Vereinslokals der Pokal an den Sieger des Tagesendspiels feierlich übergeben. Für den zweiten Sieger gab es dabei eine Plakette.

Der Fußballsport wurde ja erst 11 Jahre nach Gründung unseres Vereins im Jahre 1932 dem TuS Nartum als Abteilung zugeordnet. Damals jagten in erster Linie junge Burschen aus dem Ruhrgebiet dem Fußball nach, die bei Nartumer Landwirten beschäftigt waren. Ältere Mitglieder sollen wegen dieser neuen Sparte den Verein verlassen haben, weil sie befürchteten, die Fahrten zu den Auswärtsspielen verschlängen zu viel Geld. Die Spiele wurden seinerzeit auf Wetjens Weide beim Kriegerdenkmal und auf einem Helmers Nr. 7 (heute Friedel Helmers) gehörenden Acker, später auf  Wetjens Acker an der Straße nach Winkeldorf ausgetragen. Der heutige Sportplatz bei der Schule, jetzt Kindergarten, wurde 1951 hergestellt, wobei das stark abfallende Gelände in Eigenleistung mit Hilfe von Spaten und Loren zu begradigen war. Am 11. Mai 1952 wurde dieser Sportplatz eingeweiht. Also finden hier seit fast 65 Jahren Fußballspiele, jetzt überwiegend das Fußballtraining, statt. Somit konnte auch zu Beginn der 1960er Jahre der Fußballsport in der Ortsmitte betrieben werden. Da damals bei uns in Nartum kein professionelles Fußballtraining organisiert war, gab es nur in den Frühlings- und Sommermonaten ein loses Zusammentreffen auf spontanen Zuruf am Abend nach getaner Arbeit. Dann konnten alle Altersstufen ihre fußballerischen Fähigkeiten ausleben und in einem sogleich vereinbarten Mannschaftsspiel die Vorbereitungen für das nächste Pflichtspiel treffen. Damit war das Fußballtraining, wenn man es denn so bezeichnen will, sehr begrenzt. Allerdings hatten die in Nartum zur Schule gehenden Kinder es besser. Sie spielten in den Unterrichtspausen, die von den Lehrern Hans-Edwin Scholz und Manfred Flock oft sehr großzügig gewährt wurden, immer Fußball nach Herzenslust und wurden diesem Sport so spielerisch zugeführt.

Ein strukturiertes Fußballtraining wurde erst ab September 1971 durchgeführt. Seit dieser Zeit leitete der Übungsleiterlizenzinhaber Heinz Minnemann, der als Kompaniefeldwebel der Bundeswehr Mitglied des TuS Nartum geworden war, jeden Donnerstag das Training in der Horstedter Turnhalle. Hier ging es zunächst darum, die körperliche Fitness zu verbessern. Im Frühjahr darauf wurde der Trainingsbetrieb auf alle Gebiete der Fußballehre ausgeweitet und auf den Nartumer Sportplatz verlagert. Diesem Trainer haben die Nartumer Fußballer es in erster Linie zu verdanken, dass sie eine große Zeit mit dem Gewinn mehrerer Meisterschaften in den Folgejahren erleben konnten. Heinz Minnemann, der auch als Übungsleiter für Kinder- und Frauenturnen sowie Schwimmen in unserem Verein erfolgreich gewirkt hatte, musste seine Aktivitäten im TuS Nartum im Herbst 1979 wegen einer von der Bundeswehr veranlassten Versetzung berufsbedingt beenden. Sein Nachfolger sollte ursprünglich Herr Wennholz werden. Leider zerschlugen sich die dazu eingeleiteten Verhandlungen aufgrund von Forderungen, die der TuS Nartum nicht erfüllen konnte. Schließlich trat Herr Battig im Jahre 1979 die Fußballtrainernachfolge von Heinz Minnemann an. Mit ihm hatten die Nartumer allerdings kein Glück, da er seine Tätigkeit bereits nach kurzer Zeit wieder einstellte.

Kommen wir nun zur sportlichen Entwicklung der einzelnen Mannschaften, die immer wieder Höhen und Tiefen durchlebt haben. Im Jahre 1960 waren  drei Teams für den Spielbetrieb gemeldet, für 1979 kann dazu von acht Mannschaften berichtet werden.

1. Herrenmannschaft

Die I. Herrenmannschaft wurde im Mai 1962 zunächst Staffelmeister der Kreisklasse Süd und anschließend nach dem siegreich beendeten Entscheidungsspiel gegen Kirchtimke auch Kreismeister des NFV-Kreisverbandes Bremervörde. Dieser Mannschaft gehörten neben Betreuer Rudolf  Wedemeyer folgende Spieler an: Werner Schnabel, Rolf  Dohrmann, Heinz Wedemeyer, Norbert Zander, Friedhelm Eckhoff, Bruno Schwarz, Peter Wedemeyer, Eberhard Schröder, Willi Wellmann, Hans-Werner Dohrmann (Mannschaftsführer), Friedhelm Dohrmann, Hermann Rugen und Hermann Borchers. Leider sind von diesen 13 Spielern 6 Kameraden nicht mehr unter uns.

Den Kreissonderpokal gewann unsere I. Herrenmannschaft am 24. Juni 1967 im Endspiel auf dem Sportplatz in Anderlingen gegen die II. Mannschaft des Bremervörder SC mit 5:0. Neben den Betreuern Jürgen Weseloh und Erhard Hermann hatten die Spieler Hans-Hermann Bahrenburg, Hans-Günter Hastedt, Norbert Zander, Manfred Wedemeyer (Mannschaftsführer), Walter Bahrenburg, Claus Jagels, Gerhard Funke, Richard Brüning, Bruno Schwarz, Günter Bohling und Friedhelm Helmers gemeinsam den Sieg errungen.

Mit 6 Punkten Vorsprung vor dem TuS Tarmstedt konnte Nartums I. Herrenmannschaft im Jahre 1972 Meister der Kreissonderstaffel werden und stieg in die 1. Kreisklasse, später Kreisliga auf.

1974 gelang der I. Herrenmannschaft des TuS Nartum die Meisterschaft in der Kreisliga Bremervörde und damit der Aufstieg in die Bezirksklasse Stade – Mitte. Hierzu trugen in erster Linie bei: Heinz Minnemann (Trainer), Wilhelm Dohrmann (Betreuer), Richard Brüning, Heinz-Günter Funke, Fritz Hesse, Hans-Hermann Bahrenburg, Heinz Drewes, Friedhelm Helmers (Mannschaftsführer), Harry Stickel, Egon Brockmann, Walter Bahrenburg, Harry Appel, Bruno Schwarz, Rolf Wedemeyer und Erhard Tarnowski. Der Oberkreisdirektor Dr. zum Felde zeichnete, zusammen mit dem Kreissportbund Bremervörde, diese Mannschaft am 10. Dezember 1974 in einer Feierstunde als erfolgreichste Mannschaft der Kreisfachschaft Fußball aus.

Nach drei Jahren und 90 Spielen, u. a. gegen Mannschaften wie Harsefeld, Horneburg, VfL und Güldenstern Stade, Freiburg, Ostereistedt, Hesedorf, Gnarrenburg, Zeven und Alfstedt, musste die I. Herrenmannschaft 1977 wieder aus der Bezirksklasse absteigen.

2. Herrenmannschaft

1972 gelang der II. Herrenmannschaft die Erringung der Meisterschaft der 4. Kreisklasse-Süd. Damit war der Aufstieg in die 3. Kreisklasse-Süd verbunden.

1974 wurde die II. Herrenmannschaft Meister der 3. Kreisklasse-Süd. In diesem Jahr schaffte der TuS Nartum das Double (Meister der I. und II. Herrenmannschaften in ihren jeweiligen Staffeln).

Für die II. Herrenmannschaft war, ebenso wie für die I. Herrenmannschaft, der Abstieg im Jahre 1977 nicht zu vermeiden. Danach spielte das Team wieder in der 4. Kreisklasse-Süd.

Altherrenmannschaft

Die Altherrenmannschaft wurde 1970 auf Initiative von Ulrich Baske gegründet. Zu der Zeit bestand sie hauptsächlich aus Spielern, die früher in Nartum gewohnt und Fußball gespielt hatten, zwischenzeitlich aber nach auswärts verzogen waren. Diese Mannschaft hatte wiederholt mit Aufstellungsschwierigkeiten zu kämpfen, weil einzelnen Spieler wegen des Sonnabend-Spieltages arbeitsmäßig verhindert waren. Bei den Spielen der Altherren ging es mitunter rustikal zu, weil Meckereien auf dem Spielfeld zutage traten. Allerdings waren diese Unannehmlichkeiten in der dritten Halbzeit wieder behoben. Größere sportliche Erfolge konnten nur mit einem 3. bzw. 5. Tabellenplatz in den Jahren 1974 und 1978 gefeiert werden.

Jugend und Schülermannschaften

Bis zum Jahre 1972 waren eine Jugend- und meistens zwei Schülermannschaften mit wechselnden Erfolgen am Spielbetrieb beteiligt. Während die Jugendlichen sonntags mit 11er Mannschaften anzutreten hatten, waren die Schüler als 7er, später 8er Teams am Sonnabend aktiv. Die Schülermannschaften hat lange Jahre der Betreuer Johann Borchers mit seinem VW-Bus zu Auswärtsspielen gefahren. Ab 1970 hatten auch die Schüler als 11er Mannschaften anzutreten.

Am 24. Juli 1972 wurde die Jugendspielgemeinschaft Nartum-Oldendorf gegründet. Im Spieljahr 1972/73 standen dann 6 Oldendorfer und 9 Nartumer Fußballer im Alter von 14 bis 17 Jahren für den Spielbetrieb zur Verfügung. Als Betreuer der ersten Stunde stellten sich Johann Eckhoff aus Oldendorf und Richard Brüning aus Nartum zur Verfügung. Als im Jahre 1974/75 die Jugendstaffeln einer Altersklassenreform unterzogen wurden (fortan gab es nur noch Staffeln, die 2 Jahrgänge umfassten und als A-, B-, C- ….. bezeichnet wurden) wurden wegen fehlender Spieler in Oldendorf und Nartum auch die Schülermannschaften beider Vereine in die Jugendspielgemeinschaft Nartum-Oldendorf integriert. Diese Spielgemeinschaft hatte sich sehr gut bewährt und wurde bis über die 1970er Jahre hinaus erfolgreich aufrechterhalten. Als großer Erfolg kann die Meisterschaft der A-Jugend der Jugendspielgemeinschaft Nartum/Oldendorf  bezeichnet werden, die 1978 in die Kreisleistungsklasse aufstieg. Überdurchschnittlich waren auch die Torwartleistungen des C-Jugendlichen Jens Helmers, als er im Jahre 1977 zu einem Talentförderungslehrgang auf  Landesebene in die Sportschule Barsinghausen eingeladen wurde.

Langlebige Anschaffungen für die Fußballabteilung

1965 wurden die Duschen im Keller unter dem Schulgebäude auch den Fußballspielern zur Benutzung zur Verfügung gestellt. Allerdings gaben die Duschen nur kaltes Wasser her. Das änderte sich erst im Jahre 1972, als ein Vertrag mit der Schulnachbarin Adele Höhns geschlossen wurde. Hierin war festgelegt, dass Frau Höhns gegen Entgelt das Wasser mittels der handbetriebenen Koksheizung vor den Spielen erwärmen und danach die Dusch- und Umkleideräumlichkeiten reinigen musste.

Im Jahre 1974 wurde das Schulnebengebäude, das bislang von den Lehrern als Pkw-Garage und Torf- und Geräteschuppen genutzt sowie von den Schülern als Toilette benutzt wurde, als Umkleidehaus für die Fußballabteilung umgebaut. Die Kosten von rund 28.000 DM wurden durch ca. 19.500 DM aus Zuschüssen, ca. 5.500 DM aus Eigenleistungen und ca. 3.000 DM aus einer Vereinsumlage gedeckt.

Eine Spielbeleuchtungsanlage (Flutlichtanlage) wurde 1975 für rund 14.000 DM installiert. Die dazu benötigten 4 Gittermasten hatte Johannes Petersen schon 1973 vom Überlandwerk Hannover besorgt. Die Finanzierung erfolgte je zur Hälfte über Zuschüsse und Eigenleistungen.

Für die Rasenpflege des Sportplatzes kaufte der TuS Nartum einen gebrauchten Walzenrasenmäher im Jahre 1976. Fortan mähte Jürgen Weseloh mit dieser Maschine fast wöchentlich ehrenamtlich unseren Fußballplatz.

Jürgen Weseloh war es auch, der ab 1978, nach Absolvierung des notwendigen Hygiene-Lehrgangs, den Getränkestand im neu errichteten Umkleidehaus betrieb. Nach einem Jahr überwies er der Vereinskasse rund 2.200 DM, die nach Abzug aller Kosten als Überschuss geblieben waren.

Im Jahre 1979 kamen Stimmen für die Notwendigkeit eines zweiten Sportplatzes auf. Immerhin nahmen zu dem Zeitpunkt 8 Fußballmannschaften am Spielbetrieb teil. Man favorisierte dafür eine Fläche gegenüber dem Friedhof Richtung Ortsmitte. Auf der Jahreshauptversammlung im Januar 1980 wurde der Vorstand aufgefordert, konkrete Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und Behörden über Nutzung und Herrichtung eines zweiten Sportplatzes aufzunehmen.

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 13. Januar 2017. Recherchiert und vorgetragen von Friedhelm Helmers.