Förderung und Ausbreitung des Sports im TuS Nartum Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 24. Januar 2020:

Förderung und Ausbreitung des Sports im TuS Nartum Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre.    

Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins, in der Vereinschronik und aus Erinnerungen des Verfassers wird über die Ausbreitung und Förderung des Sports sowie den sportlichen Aktivitäten einschließlich der damit einhergehenden Maßnahmen der Jahre 1977 bis 1982 berichtet:

Am 16. Juli 1955 hatten sieben Mitglieder des Turn- und Sportverein Nartum zur Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichts Zeven eine Satzung unterzeichnet. Unter dem § 2 hieß es mit der Überschrift Zweck des Vereinsin den ersten beiden Sätzen wie folgt: „Zweck des Vereins ist es, Turnen, Leichtathletik und das Fußballspiel zu betreiben und den Sport in seiner Gesamtheit zu fördern und auszubreiten. Dadurch und durch die Jugendpflege erstrebt er die sittliche und körperliche Ertüchtigung seiner Mitglieder.“ Dass man sich den Inhalt dieses Paragraphen, insbesondere aber die Worte „den Sport in seiner Gesamtheit zu fördern und auszubreiten“, immer wieder ins Gedächtnis rief, zeigt die Entwicklung in der immer schnelllebiger werdenden Zeit Ende der 1970er Jahre.

Neben den bisher gepflegten Betätigungen beim Fußball, Tischtennis, Turnen und Kegeln hatte sich bereits 1973 mit der Sportart Schwimmenein weiteres Feld der sportlichen Aktivitäten ergeben. Am Anfang standen Unterricht und Übungen, um den Nartumer Kindern in Anfängerkursen das Schwimmen beizubringen. Danach besuchten die Fortgeschrittenen Schwimmfeste und nahmen an Kreis- und Bezirksmeisterschaften teil. Zur Glanzzeit der Schwimmer Ende der 1970er Jahre waren 2 Bahnen im Zevener Hallenbad für die damals 52 Aktiven reserviert. Außerdem wurde im Sommer in den Freibädern in Hesedorf und Otterstedt trainiert. Bedauerlicherweise konnte der Schwimmbetrieb im TuS Nartum nach Wegzug des Übungsleiters Heinz Minnemann im Mai 1980 nur noch sehr eingeschränkt aufrechterhalten werden. Später kam er wegen fehlender Aufsichtspersonen und immenser Hallenbenutzungskosten gänzlich zum Erliegen.

Ingrid Holsten aus Mulmshorn übernahm im September 1979 das Frauenturnen. Hier hielten sich einmal wöchentlich 15 bis 20 Teilnehmerinnen mit Gymnastik und Geräteturnen fit. Dem damaligen Trend folgend hatten sie schon bald das Volleyballspiel entdeckt und in ihr Programm mit aufgenommen. Da diese Ballsportart bei allen großes Interesse geweckt hatte, wurde es am Ende fast jeder Übungseinheit mit großer Begeisterung gespielt. Später hat sich eine Volleyballmannschaft daraus entwickelt, die lange Jahre als Spielgemeinschaft mit dem MTV Gyhum am Punktspielbetrieb der JeKaMi (Jeder kann mitmachen) – Liga auf Kreisebene teilgenommen hat.

Dem Neuen aufgeschlossen zeigte sich aber nicht nur die Frauenturngruppe. Im Sommer  1980 hatten sich 20 Jugendliche aus Nartum, Horstedt und Winkeldorf zusammengefunden, um der aufkommendenJazzgymnastik-Bewegung zu folgen. Nach einem Gespräch zwischen Jugendgruppe und Vereinsvorstand wurden mit Frau Alpers eine Übungsleiterin vom Kreissportbund verpflichtet und in der Horstedter Turnhalle Nutzungszeiten zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise lebte der TuS Nartum seine Satzung buchstabengetreu, den Sport in seiner Gesamtheit zu fördern und auszubreiten.

Eine weitere Möglichkeit zur Förderung des Sports ergab sich anlässlich des Kreiskinderturn- und Sportfestes im Juli 1980 in Bevern. Mit Hans Prosch hatte sich ein Nartumer Neubürger als Leichtathletik-Übungsleiter unserem Verein angeschlossen. Gemeinsam mit Irmgard Müller bereitete er die Kinder in den Disziplinen Weitsprung, Schlagballwurf, Kurzstreckenlauf, Pendelstaffel und Tauziehen auf das Sportfest vor und kehrte danach mit 40 stolzen Kindern zurück. Sie hatten auf dieser Kreisveranstaltung mehrere 1. Plätze und den Sieg beim Tauziehen im Team errungen. Fortan hatte auch die Leichtathletik ihren Platz im TuS Nartum gefunden.

Nach diesen verheißungsvollen Vorgängen zur Förderung und Ausbreitung des Sports innerhalb kürzester Zeit wollte auch unser 1. Vorsitzender Hermann Bohling nicht zurückstehen. Auf seine Initiative hin wurde im Rahmen der DSB-Aktion TRIMM-SPIELE der erste Volkswandertagorganisiert. Am 23. August 1980 begaben sich dazu 162 Teilnehmer jeden Alters zum Startplatz am Nartumer Sportplatz. Es konnte zwischen einem 7 km und einem 11 km langen Rundkurs gewählt werden. Zur Belohnung gab es für jeden Wanderer eine Medaille, wenn die vorgeschriebenen Zeiten von zwei bzw. drei Stunden unterschritten wurden. Die Volkswandertage wurden danach jährlich einmal im Sommer durchgeführt. Wenn auch das Volkswandern zwischenzeitlich in die Jahre gekommen ist, so ist dieser Ausdauersport auch heute noch mit der LeichtathletikabteilungLauftreff  im TuS Nartum präsent.

Mit der Ausweitung des Sportangebotes Anfang der 1980er Jahre war durch die Zunahme von Übungsleitern, Sportgeräten und Sportstättenkapazitäten auch ein vermehrterFinanzbedarfverbunden. Immerhin waren die Ausgaben innerhalb von fünf Jahren im Geschäftsjahr 1981 um fast 8.000 DM auf 18.705,41 DM gestiegen. Allein aus den Beiträgen konnten trotz Beitragserhöhung (um 12 DM pro Jahr auf 48 DM) und der neu hinzugekommenen Mitglieder (die Anzahl wuchs von 320 am 1.1.1978 auf 377 am 1.1.1982) diese Mehrkosten nicht bezahlt werden. Auch hier waren damals die Verantwortlichen des TuS kreativ.

Um die Einnahmen des Vereins zu verbessern, führte der Verein den bis Mitte der 1970er Jahre von Vereinswirt Heinrich Heitmann durchgeführten Getränkeverkauf auf dem Sportplatz weiter. 1978 übernahm Jürgen Weseloh diese Arbeit als sogenannter Klappenwirt. Da dieses Unternehmen nicht als Konkurrenz angesehen werden sollte, wurde das Bier nur unwesentlich billiger als in den ortsansässigen Dorfkneipen verkauft. Jährlich ergaben sich Überschüsse bis zu 2.000 DM, die dann der Vereinskasse zuflossen. Aus gutem Grund hat die Vereinsführung an diesem Getränkeverkauf bis zum heutigen Tage festgehalten.

Eine weitere Einnahmequelle erschloss sich die Vereinsführung durch Altpapiersammlungen. In Rundschreiben in den Dörfern Nartum, Winkeldorf  und Bockel wurde um Bereitstellung von alten Zeitungen und ausrangierten Telefonbüchern und Katalogen gebeten. Dieses Altpapier wurde dann mit Fuhrwerken abgeholt, zunächst in der Scheune des Kassenwartes Hermann Bruns zwischengelagert und später von der Papierverwertung Brügesch aus Bremen abgeholt. Durch die stark schwankenden Altpapierpreise gab es Erlöse, die bei durchschnittlich 12 Tonnen pro Jahr zwischen 300 DM und 1.000 DM betrugen und ebenfalls dem Vereinskonto zu Gute kamen. Auch diese Einrichtung ist bis heute, wenn auch in etwas geänderter Form, beibehalten worden.

Für die ordentliche Präsentation eines Sportvereins war es seit Jahrzehnten erforderlich, bei Sportereignissen mit Um- und Einmärschen eine Vereinsfahne mitzuführen. Da der TuS Nartum trotz vieler Anläufe wegen der meist bescheidenen Kassenlage noch keine vereinseigene Fahne beschaffen konnte, wurde im Jahre 1979 zwecks Finanzierung die Aktion „Ergebnisvorhersage für Fußballspiele“ ins Leben gerufen. Hierzu konnten die Zuschauer bei jedem Heimspiel das Ergebnis gegen einen geringen Geldeinsatz vorhersagen. Für eine richtige Vorhersage gab es nach dem Spiel einen Preis in Höhe des halben Einsatzes. Die andere Hälfte verblieb in der Vereinskasse und sollte später zur Anschaffung einer Vereinsfahne verwendet werden. Schon nach drei Jahren hatten sich dank dieser Aktion über 1.100 DM angesammelt. Tatsächlich ist es schließlich zur Anschaffung einer Vereinsstandarte gekommen, die u. a. bei auswärtigen Sportfesten, Nartumer Festumzügen und zum letzten Geleit verstorbener Vereinsmitgliedern mitgeführt wird.

Zur vollständigen Darstellung der Vereinsaktivitäten in den Jahre 1977 bis 1982 wird wie folgt berichtet:

1977 richtete die Kegelabteilung die Bezirksmeisterschaften auf der Kegelbahn im TuS Vereinslokal „Zum Keglerheim“ in Nartum aus.

1978 wurden 80 DM Strafe gezahlt, weil die Fußballabteilung des TuS Nartum keinen zweiten Schiedsrichter zur Verfügung stellte. Auf Druck des Kreisfußballverbandes ließen sich Gerhard Funke und Heiner Heitmann zu Schiedsrichtern ausbilden und waren ab 1979 zu dritt mit Heinrich Schierholz im Einsatz. Hermann Intemann startete bei den Einzelkegelmeisterschaften auf Landesebene und errang den 3. Platz.

1979 wurden erstmals aktuelle Nachrichten und Mitteilungen aus dem Vereinsgeschehen einmal monatlich als Beilage der Zevener Zeitung unter dem Titel „TuS Nartum informiert“ verteilt. Der Schriftwart verfasste seinerzeit die Texte und fertigte anschließend mit einem Matrizendrucker für alle rund 120 Nartumer Haushalte ein 4-seitiges Exemplar. Später übernahmen das „Vereinsblatt“ und die „Sottrumer / Rotenburger Rundschau“ diese Arbeit.

Im August 1979 erwarb Friedhelm Helmers die Lizenz als Fachübungsleiter Tischtennis an der Sportschule in Hannover.

Vermutlich an den Folgen einer Kopfverletzung anlässlich eines Fußballspiels verstarb der 19-jährige Peter Schröder im November 1979.

Mit dem 26-jährigen Bundeswehrsoldaten Horst Battig aus Rotenburg wurde im Dezember 1979 ein Anstellungsvertrag als hauptverantwortlicher Fußballtrainer der 1. Herrenmannschaft, befristet bis zum 30. Juni 1980, geschlossen. Für seine Dienste sollte er 4 DM pro Stunde zuzüglich einer Fahrtkostenpauschale in Höhe von 5 DM erhalten.

Der einzige Sportplatz des Vereins war bei 8 fußballspielenden Mannschaften immer stärkeren Belastungen ausgesetzt. Im Januar 1980 wurden deshalb Verhandlungen mit Grundstückseigentümern zwecks Nutzung eines zweiten Sportplatzes aufgenommen. Vorgesehen war eine Fläche neben dem Friedhof in Richtung Dorfmitte. Die Gespräche verliefen ohne Erfolg, da ein Grundstücksbesitzer nicht bereit war einen Pachtvertrag mit 15 Jahren Laufzeit zu unterzeichnen. Jahre später konnte der Verein den benötigten zusätzlichen Sportplatz an anderer Stelle direkt neben dem ursprünglichen an der Schule  fertigstellen.

1981 erhielten die Tischtennisspieler mit dem Montag einen zweiten Nutzungstag in der Horstedter Turnhalle. Für die auf 48 aktive Spieler angewachsene Abteilung mit 5 Wettkampfmannschaften waren die bisherigen 4 Stunden Nutzungszeit am Freitag zu wenig, um einen ordentlichen Übungs- und Punktspielablauf zu gewährleisten.

Im Laufe des Jahres 1981 wurde Jens Helmers als Torwart für die Bezirksauswahlmannschaft mehrmals nominiert. Bereits 1977 war er als C-Jugendlicher zu Talentförderungslehrgängen nach Barsinghausen eingeladen.

Unser Verein wurde am 1. März 1921 gegründet. Anlässlich des 60-jährigen Vereinsjubiläums gab es ein Veranstaltungsprogramm vom 9. bis zum 28. Juni 1981. In der ersten Woche veranstalteten die Fußballer an fünf Tagen fünf Freundschaftsspiele und zwei Pokalturniere. Danach hatten die Kegler ein Pokalkegeln mit 27 Mannschaften organisiert und in der Horstedter Turnhalle beteiligten sich trainierte und ungeübte Tischtennisspieler an zwei Straßenturnieren. Am letzten Tag, ein Sonntag, startete vormittags der 2. Volkswandertag mit anschließender Erbsensuppe. Nachmittags begannen die Leichtathletikmeisterschaften, wo auch die schnellste Frau und der schnellste Mann aus Nartum gefunden werden sollte.

Bei den Vorstandswahlen anlässlich der Jahreshauptversammlung im Januar 1982 wurde Heinrich Schierholz zum 1. Vorsitzenden gewählt. Sein Vorgänger Hermann Bohling hatte unseren Verein bis dahin acht Jahre geleitet. Auf Vorschlag wurde Hermann Bohling Ehrenvorsitzender. Zum zweiten Vorsitzenden bestimmte die Versammlung Friedhelm Eckhoff. Dieses Ehrenamt hatte zuvor Heinrich Schierholz 14 Jahre wahrgenommen. Bereits im Jahre 1981 hatte Rolf Intemann die Position des Schriftwartes von Friedhelm Helmers übernommen.

Zwischenzeitlich ist unser TuS Nartum fast 40 Jahre älter geworden. In dieser Zeit hat es viele Veränderungen gegeben. Eines ist aber heute gegenüber der Vergangenheit gleich geblieben. Die Mitglieder konnten sich immer darauf  verlassen, dass die Verantwortlichen die Zeichen der Zeit erkannten und Entscheidungen mit Mut und Weitblick zum Wohle der Vereinsentwicklung getroffen haben. Möge dieses auch zukünftig, besonders im Hinblick auf unser 100-jähriges Jubiläum im nächsten Jahr, so bleiben.

 

Nartum, den 24. Januar 2020                                         Friedhelm Helmers