Aktivitäten des Vereinsvorstands zu Beginn der 1970er Jahre

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 26. Januar 2018:

Aktivitäten des Vereinsvorstands zu Beginn der 1970er Jahre.    

Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins, in der Vereinschronik und aus Erinnerungen des Verfassers wird über die Aktivitäten des Vereinsvorstands berichtet:

Am 16. Juli 1955 wurde eine neue Satzung entworfen und von sieben Nartumer Vereinsmitgliedern unterschrieben. Diese Satzung ist anschließend von den anwesenden 50 stimmberechtigten Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung am 4. Februar 1956 einstimmig angenommen worden. Bezüglich des Vorstands war dazu in den § 16 und 17 folgendes festgelegt:

Gemäß § 16 besteht der Vereinsvorstand aus 4 Personen. Es sind der 1. und 2. Vorsitzende, der Kassenwart und der Schriftwart. Die einzelnen Personen werden auf die Dauer von 2 Jahren von der Jahreshauptversammlung gewählt, eine Wiederwahl ist unbegrenzt möglich.

Im § 17 werden die Pflichten und Rechte des Vorstandes geregelt. Danach hat er die Geschäfte des Vereins nach den Vorschriften der Satzung und nach Maßgabe der durch die Mitgliederversammlungen gefassten Beschlüsse zu führen. Den einzelnen Vorstandsmitgliedern fallen nachstehende Aufgaben zu. Dem 1. Vorsitzenden die Präsentation bzw. Vertretung des Vereins nach außen hin und die Regelung der Verhältnisse der Mitglieder untereinander. Hinzu kommen Einberufung und Leitung der Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen sowie die Aufsicht über die Geschäftsführung des Vorstands und aller Organe außer dem Ehrenrat. Der 2. Vorsitzende vertritt den 1. Vorsitzenden im Behinderungsfalle. Der Kassenwart verwaltet die Vereinskassengeschäfte, sorgt für die Einziehung der Beiträge und ist für das Vereinsvermögen verantwortlich. Zahlungen darf er nur auf schriftliche Anweisung des 1. Vorsitzenden leisten. Bei einer Kassenrevision müssen alle Ausgaben durch vom 1. Vorsitzenden anerkannte Belege nachgewiesen werden. Der Schriftwart ist für den gesamten Geschäfts- und Schriftverkehr des Vereins zuständig und führt die Mitgliederkartei. Zusätzlich verfasst er die Protokolle bei Versammlungen. Zum Schluss eines jeden Geschäftsjahres hat er einen Jahresbericht vorzulegen, der in der Jahreshauptversammlung verlesen wird.

Im Vereinsregister des Amtsgerichts Zeven waren lt. Beschluss der Jahreshauptversammlung vom 15. Januar 1971 folgende Personen als Vereinsvorstand für den Turn- und Sportverein Nartum (e.V.) eingetragen:

Erster Vorsitzender:    Rudolf Wedemeyer, Viehkaufmann, 51 Jahre

Zweiter Vorsitzender:  Heinrich Schierholz, Tiefbauvorarbeiter, 31 Jahre

Kassenwart:                 Friedrich Grabau, Sparkassenangestellter, 45 Jahre

Schriftwart:                  Friedhelm Helmers, kaufm. Angestellter, 23 Jahre

Durch den rasanten Mitgliederzuwachs zu Beginn der 1970er Jahre bekam auch der Vorstand des TuS Nartum zusätzliche Aufgaben. Hatte er per Stichtag 1. Januar 1970 für 95 Mitglieder die Geschäftsführung zu erledigen, waren es zum Jahresbeginn 1972 schon 193 und am 1. Januar 1974 bereits 256 Mitglieder. Später erhöhte sich diese Zahl nochmals, so dass per 1. Januar 1977 für 321 Mitglieder zu sorgen war. Das war ein Zuwachs von 226 Sportlern oder 239 % innerhalb von nur 7 Jahren. Diese Aufwärtsentwicklung war größtenteils der Wiedergründung der Turnsparte im Jahre 1971 und Neugründung der Schwimmsparte im Jahre 1975 durch Heinz Minnemann, ein nach Rotenburg versetzter und in Nartum wohnender Bundeswehrsoldat, zu verdanken. Somit waren einschließlich der bisherigen Sparten Fußball, Tischtennis und Kegeln jetzt fünf verschiedene Sportarten in unserem Verein beheimatet. Damit hieß es auch für den Vorstand die Ärmel aufzukrempeln und entsprechend dieser Entwicklung die sportlichen, organisatorischen und finanziellen Herausforderungen anzunehmen und zu meistern.

Eine erste Aktivität ergab sich bereits aus Anlass des 50-jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1971. Dazu rief der 1. Vorsitzende einen Festausschuss ins Leben, dem alle Vorstandsmitglieder und Spartenleiter sowie Johannes Petersen, Klaus-Hinrich Wülpern, Johannes Borchers, Willi Dohrmann und Bürgermeister Hinrich Bruns angehörten. Diese 11 Sportkameraden bereiteten in mehreren Festausschusssitzungen eine Sportwoche vor, die vom 31. Juli bis zum 8. August 1971 dauerte und eine Vielzahl von sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen beinhaltete. Hierzu gehörten Fußballpokalturniere für Herren-, Jugend- und Schülermannschaften, ein Tischtennispokalturnier an 4 Tagen mit 13 Mannschaften und ein Pokalkegeln für 27 Herren- und Damenmannschaften. Über 30 Pokale konnten am Festsonntag auf dem Saal des Vereinslokals an die Sieger überreicht werden. Auf dem Sportlerball mit der Musikkapelle Bammann und bei Wasserspielen der Freiwilligen Feuerwehr auf der Weide des Vereinslokals erreichte das 50-jährige Vereinsjubiläum seinen Höhepunkt.

Das 50-jährige Vereinsjubiläum und die Aktivitäten des Sportkameraden Minnemann hatten 1971 eine Stimmung des Aufbruchs im TuS Nartum zur Folge. Dieser Aufbruch erweiterte auch die Arbeit des Vereinsvorstands. Wurden in der Vergangenheit die notwendigen Besprechungen und Entscheidungen meistens bei den üblichen Gaststättenbesuchen erledigt, wurden jetzt offizielle Vorstands- bzw. erweiterte Vorstandssitzungen durchgeführt. Diese Zusammenkünfte fanden ausschließlich im Vereinslokal bei Gastwirt Heitmann, jetzt „Nartumer Hof“, statt.

Für das Jahr 1972 sind 4 erweiterte Vorstandssitzungen und eine Spielgemeinschaftsgründungssitzung protokolliert. Zunächst ging es um die Vorbereitung des alljährlich in der Vorfastenzeit stattfindenden Kappenfestes und um die Organisation der fünf Pokalturniere im August. Dann mussten Anschaffungen für die wiederbelebte Turnsparte und die Fußballer getätigt werden. Dazu sollte der ortsansässige Stellmacher Hinrich Bruns die vorhandenen Barren und Pferd wieder funktionstüchtig machen und 15 Holzkeulen und –stiele neu anfertigen. Die Nartumer Tischlerei Willy Bohling erhielt einen Auftrag über ein neues Sprungbrett mit Gummieinlage. An die Firma Wilhelm Wischhusen in Zeven wurde ein Lieferauftrag über 10 große Gymnastikbälle, 6 Medizinbälle, 6 Gummimatten mit Trageriemen, 20 Springseile, 5 Herrenfußbälle und 9 Knabenfußbälle im Wert von über 2.200 DM vergeben. Den Einkauf nahmen der Schriftwart und der Spartenleiter vor. Für die Finanzierung stellte die Gemeinde Nartum 1.000 DM zur Verfügung. Zusätzlich stellten Kassen- und Schriftwart Beihilfeanträge an den Landkreis und an den Kreissportbund Bremervörde.

Ein weiteres Thema in den Vorstandssitzungen war die Finanzierung der größer werden Ausgaben durch den umfangreicheren Sportbetrieb. Mit einem Kassenbestand von 1.677,10 DM am Anfang des Jahres 1972 waren keine großen Sprünge möglich. Deshalb wurde ein neuer Beitragsmodus vom Kassenwart konzipiert. Danach hatten die Vereinsmitglieder jährlich an Beitrag zu zahlen: Kinder bis zu 14 Jahren 6 DM (bislang beitragsfrei), Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren und Frauen 12 DM (vorher 9 DM), Männer ab 18 Jahre 24 DM (vorher 18 DM), Familien (Vater, Mutter und alle Kinder bis zu 14 Jahren) 36 DM als neue zusätzliche Beitragsstufe. Durch diese Beitragserhöhung wurden Mehreinnahmen von durchschnittlich 6 DM pro Mitglied oder rund 1.500 DM im Jahre 1972 realisiert. Dennoch musste der Kassenwart am Jahresende einen Verlust von 1.176,64 DM verbuchen, was u. a. auch durch erhebliche Ausgaben an Turngeräten, Fußballkleidung und Fußbälle verursacht worden war. Der Kassenbestand war zudem auf 500,46 DM abgeschmolzen.

Anlässlich der Planungen für die neue Saison 1972/73 standen nur noch 9 spielberechtigte Jugendfußballspieler ab dem 1. Juli 1972 zur Verfügung. Damit drohte dem TuS Nartum die Abmeldung der eigenen Jugendmannschaft vom Spielbetrieb. Somit war wieder der Vorstand gefordert. Nach Kontaktaufnahme mit den Fußballfreunden aus dem nachbarschaftlichen Oldendorf, die selbst auch nur noch 6 spielberechtigte Jugendfußballer zur Verfügung hatten, arbeitete man an der Lösung des aufgetretenen Problems. Dazu gab es am 24. Juli 1972 bei Gastwirt Adebar in Oldendorf eine Zusammenkunft der Vereinsvertreter des SV Viktoria Oldendorf  und des TuS Nartum. Im Laufe des Abends wurde die Gründung der Jugendspielgemeinschaft Nartum/Oldendorf beschlossen. Gleichzeitig wurden organisatorische Einzelheiten wie federführender Verein, Trainingsbetrieb, Spielertransport bei Auswärtsspielen, Heimspielort und welche Spielkleidung wann getragen wird vereinbart. Als erste Betreuer der Jugendspielgemeinschaft stellten sich der Oldendorfer Johann Eckhoff und der Nartumer Richard Brüning zur Verfügung. Diese Jugendspielgemeinschaft ist später auch auf den Schülerbereich ausgeweitet worden und hat jahrelang für eine gedeihliche Zusammenarbeit beider Vereine gesorgt. Damit war eine vorausschauende Entscheidung getroffen, die den befürchteten Nachwuchssorgen und Vereinswechseln erfolgreich entgegen gewirkt haben.

Die letzte erweiterte Vorstandssitzung des Jahres 1972 galt der Vorbereitung der anstehenden Jahreshauptversammlung im Januar 1973. Insbesondere waren Themen zu erörtern, die den Mitgliedern als Beschluss vorgelegt werden sollten. Zunächst beschäftigten sich die Anwesenden mit den eingegangenen Anschaffungswünschen im Gesamtwert von rund 3.200 DM. Als größter Posten erwies sich die Ausbesserung des arg lädierten Sportplatzes mit Grassoden. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, hatte der 2. Vorsitzende bereits die kostenfreie Nutzung einer Rasenschneidemaschine mit seinem Arbeitgeber vereinbart. Die für den Transport benötigten Fuhrwerke wollte die Gemeinde Nartum bezahlen und die notwendigen Handdienste sollten die Vereinsmitglieder als Eigenleistung verrichten.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der Antrag des Vorstandes, zukünftig den Sportler des Jahres zu ehren. Hierzu hatte man sich im Vorfeld bei den Sportfreunden aus Oldendorf, die den verdienten Sportler des Jahres bereits seit mehreren Jahren ehrten, schlau gemacht. Nach ausgiebiger Diskussion wurden u. a. nachstehende Richtlinien formuliert, die der Jahreshauptversammlung zur Entscheidung vorgelegt werden sollten:

  • Ein Sportler des Jahres sollte sich durch gute Leistungen, fairen Sportsgeist, sittliches Auftreten, Sauberkeit, Kameradschaft und Pünktlichkeit auszeichnen.
  1. Wählbar sollten alle Mitglieder des Vereins ab 16 Jahren sein.
  2. Der Sportler des Jahres wird für jedes Jahr neu gewählt und auf dem traditionellen Kohl- und Pinkelessen oder einer ähnlichen Feier proklamiert. Da es eine besondere Ehre ist, Sportler des Jahres zu sein, sollte kein Vereinsmitglied Getränke, Speisen usw. von der jeweiligen Person nach deren Proklamation annehmen sondern dessen gezeigten Eigenschaften würdigen und entsprechend nachzueifern versuchen.
  • Der Sportler des Jahres sollte durch eine Ehrenurkunde mit folgendem Wortlaut bedacht werden: „Sportler des Jahres 19.. , Name des Jeweiligen, in Anerkennung vom TuS Nartum überreicht, Datum und Unterschrift des 1. Vorsitzenden“.
  1. Die Wahl sollen der gesamte Vorstand, die jeweiligen Betreuer, Abteilungsleiter oder Sprecher der einzelnen Mannschaften bzw. Sparten in geheimer Abstimmung durchführen. Die Kandidaten zum Sportler des Jahres werden dabei vorher von den jeweiligen Betreuern, Abteilungsleitern oder Sprechern in einer kurzen Eigenschaftsdarstellung mündlich vorgeschlagen. Z. Z. können folgende Mannschaften bzw. Sparten einen Vorschlag unterbreiten lassen: Kegelmannschaften I und II, Tischtennismannschaft I, Fußballmannschaften I. Herren, II. Herren, Alte Herren und Jugend, Sparte Turnen und Sparte Schiedsrichter. Gewählt ist der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält. Die Wahl zum Sportler des Jahres setzt an und leitet der 1. Vorsitzende oder dessen Vertreter. Von den Wahlberechtigten muss das Wahlergebnis bis zur Veröffentlichung geheim gehalten werden. Eine Niederschrift über den Wahlhergang wird nicht angefertigt, wohl aber das Ergebnis im auf die Wahl folgenden Jahreshauptversammlungsprotokoll vermerkt.

 

Diese Richtlinien führten auf der folgenden Jahreshauptversammlung am 19. Januar 1973 zu einer lang anhaltenden Diskussion, in der das „Für“ und „Wider“ in zum Teil leidenschaftlichen Argumentationen von etlichen Mitgliedern vorgetragen wurden. Schließlich wurde der vom erweiterten Vorstand ausgearbeitete Vorschlag angenommen. Fortan hatte auch der TuS Nartum seinen „Sportler des Jahres“.

Der Verfasser erinnert sich noch gut an die erste Wahl, bei der der in Lilienthal wohnende I.-Herrenfußballer Bruno Schwarz gewählt wurde. Dazu hatte der 1. Vorsitzende Rudolf Wedemeyer am Vorabend der Proklamation alle Wahlberechtigten in der Sektbar unter der Bühne des Vereinslokals um sich versammelt und die einzige Tür von innen abriegeln lassen. Nach Beendigung der Wahl wurden alle Anwesenden dazu vergattert, bis zur Proklamation keiner Person von dem Wahlergebnis Kenntnis zu geben. Bis heute haben 46 Vereinsmitglieder die begehrte Ehrenurkunde „Sportler des Jahres“ erhalten. Zusätzlich wird seit 2009 der Jugendsportler des Jahres und seit 2010 auch die Mannschaft des Jahres geehrt. Leider ließ sich kein Schriftstück auffinden, ob es zwischenzeitlich Modalitätenänderungen gegeben hat oder noch exakt nach den im Januar 1973 verabschiedeten Richtlinien verfahren wird.

Mittlerweile ist unser TuS Nartum fast 50 Jahre älter geworden. In dieser Zeit hat es viele Veränderungen gegeben. Eines ist aber heute gegenüber der Vergangenheit gleich geblieben. Die Mitglieder konnten sich immer auf einen Vorstand verlassen, der die Zeichen der Zeit stets erkannte und Entscheidungen mit Mut und Weitblick zum Wohle der Vereinsentwicklung getroffen hat. Hier sei nur an die Ausweitung des Sportangebots auf die Sparten Turnen, Lauftreff, Badminton und Volleyball sowie an die Fußballspielgemeinschaften JSG Elsi, FSV Hesedorf/Nartum und SG Nartum/Horstedt erinnert. Außerdem wurden mit dem 2. Sportplatz, der Flutlichtanlage, der Turnhalle und der Umkleidehaussanierung notwendige und zeitgemäße Anlagen für die Ausübung unseres Sports geschaffen. So wird auch zukünftig unser aktueller Vorstand mit uns das Vereinsleben so gestalten, dass wir Körper und Geist stets fit und wach halten können.

 

Nartum, den 26. Januar 2018                                         Friedhelm Helmers