Aufschwung und Ausbreitung des Vereins zu Beginn der 1970er Jahre, wie es dazu kam und welche Maßnahmen erfolgten

Bericht aus der Geschichte des Turn- und Sportverein Nartum von 1921 e.V. zur Jahreshauptversammlung am 15. Februar 2019:

Aufschwung und Ausbreitung des Vereins zu Beginn der 1970er Jahre, wie es dazu kam und welche Maßnahmen erfolgten.    

Auf den Versammlungen und in Protokollen unseres Vereins, in der Vereinschronik und aus Erinnerungen des Verfassers wird über eine rasante Entwicklung der sportlichen Aktivitäten und den damit verbundenen Anforderungen und Aufgaben der Jahre 1970 bis 1977 berichtet:

Zum Stichtag 1. Januar 1970 trug Schriftwart Jürgen Weseloh in die jährliche Bestandserhebung für den Landessportbund Niedersachsen e. V. insgesamt 95 Mitglieder ein, wovon 89 männlich und 6 weiblich waren. Ergänzend dazu ordnete er der Sparte Fußball 64, der Sparte Kegeln 20 und der Sparte Tischtennis 11 Mitglieder zu. Schon drei Jahre später hatte sich die Mitgliederzahl um 158 auf 253 erhöht. Nach weiteren vier Jahren, zum 1. Januar 1977, umsorgte  die Vereinsführung 321 Sportler, 204 männliche und 117 weibliche. Die Anzahl der Mädchen und Frauen war um 111 gestiegen, was einem Anteil von 36% entsprach. Wie kam es dazu und wie wurde darauf reagiert? Diese Frage lässt sich nicht mit ein paar Worten beantworten sondern bedarf einer eingehenden Betrachtung.

Im Jahre 1971 war das 50-jährige Vereinsjubiläum gefeiert worden. Hierzu hatten der Vorstand mit allen Fachausschüssen und dem Gemeinderat einen Festausschuss gebildet. Dieser hatte eine Festwoche organisiert, in deren Verlauf die Sparten Fußball, Kegeln und Tischtennis ihre Aktivitäten der Öffentlichkeit präsentierten. Während der Woche und beim abschließenden Festball am Sonntag waren neben zahlreichen auswärtigen Gästen fast alle Dorfbewohner mit mehr oder weniger umfangreichen Aufgaben am Jubiläumsprogramm beteiligt. Damit waren in der Folgezeit Impulse gegeben, die die Entwicklung des TuS Nartum positiv und sehr nachhaltig beeinflussen sollte.

Mit der Wiederbelebung der Turnsparte im September 1971 hatte sich das Sportangebot wieder auf vier Sparten ausgeweitet. Unter der Regie des Übungsleiters Heinz Minnemann, ein neu hinzugezogener Soldat der Bundeswehr, gründete sich eine Kinderturngruppe. Bis zu 65 Kinder erschienen jeden Dienstag auf dem Saal des Vereinslokals, um unter seiner Anleitung orthopädische und gymnastische Übungen sowie gemeinschaftliche Turnspiele durchzuführen. Außerdem hatte sich ebenfalls eine von Heinz Minnemann geleitete Frauengruppe gebildet, die ihre wöchentlichen Turn- und Gymnastikübungen in der Horstedter Turnhalle absolvierte. Dieser Gruppe hatten sich nach einigen Abenden auch Damen angeschlossen, die in den Nachbarorten Mulmshorn, Steinfeld, Benkel, Bittstedt und Horstedt wohnten. Nach und nach erhöhten sich die Teilnehmerzahlen der einzelnen Turngruppen, so dass es Ende 1973 zur Bildung einer zusätzlichen Jungmädchenturngruppe kam. Am Ende umfasste die Turnsparte zum Stichtag 1. Januar 1977  71 männliche und 94 weibliche Mitglieder.

Die Abteilung Fußball ist zur Zeit das „Paradepferd im Stall des Vereins“. So beschrieb die Zevener Zeitung in ihrer Ausgabe vom 5. Februar 1974 die Situation des TuS Nartum zum vorangegangenen Geschäftsjahr 1973. Es hatte sich viel auf dem Fußballsektor getan. Die I. Herrenmannschaft war unter ihrem Trainer Heinz Minnemann zu einer der leistungsstärksten Elf im Kreis Bremervörde gereift und errang ein halbes Jahr später die Kreismeisterschaft und damit den Aufstieg in die Bezirksklasse Stade, wo man dann 3 Jahre lang die blau-weißen Farben präsentierte. Auch der II. Herrenmannschaft gelang durch Trainingsfleiß und mannschaftliche Geschlossenheit im Jahre 1974 der Aufstieg in die Kreissonderstaffel (heute 1. Kreisklasse). Komplettiert wurde der Herrenbereich durch eine Altherrenmannschaft, die seit 1971 am Punktspielbetrieb teilnahm. Der Nachwuchs, der ursprünglich in einer Schüler- und einer Jugendmannschaft kickte, war seit Gründung der Jugendspielgemeinschaft Nartum/Oldendorf im Jahre 1975 bereits mit 4 Mannschaften am Ball. Zu der Zeit waren in den A-, B-, C- und D-Jugendmannschaften immer 2 Jahrgänge zusammengefasst.

Für weiteren Aufschwung sorgte die bisher nicht im TuS Nartum ausgeübte Sportart Schwimmen. Da im Jahre 1973 im Zusammenhang mit einer Baumaßnahme das Kinderturnen vorübergehend nicht mehr auf dem Saal des Vereinslokals stattfinden konnte, wurde als Ersatz Schwimmunterricht im Hallenbad Zeven und in den Freibädern Hesedorf und Otterstedt erteilt. Schon nach wenigen Monaten stellte sich das erste Erfolgserlebnis mit 18 erworbenen Frei-, Fahrten- und Jugendschwimmerzeugnissen und einem DLRG-Lehrschein ein. Mit den vom Übungsleiter Heinz Minnemann initiierten Aktivitäten im nassen Element Wasser war mit dem Schwimmen die fünfte Sportart im Verein geboren. In der Folgezeit wurden Schwimmfeste besucht, an Kreismeisterschaften teilgenommen und Anfängerkurse für Nichtschwimmer durchgeführt. Bereits zu Beginn des Jahres 1976 zählte man 31 Vereinsmitglieder, die der Sparte Schwimmen angehörten. Später hat man sich auch dem Schwimmverband Niedersachsen angeschlossen.

Ganz so rasant wie die Sparten Turnen, Fußball und Schwimmen entwickelten sich die Kegler und Tischtennisspieler zu Beginn der 1970er Jahre nicht. Aber auch hier waren Aufwärtstendenzen zu beobachten.

Die Kegler erkämpften sich mit der I. Herrenmannschaft 1973 bei Relegationsspielen den Aufstieg in die Kreisliga. Für die II. Herrenmannschaft sorgte Heino Müller dafür, dass möglichst alle neun Kegel umfielen. Zudem gewann Hermann Intemann 1975 die Kegelkreiseinzelmeisterschaft der Senioren und startete anschließend auf Bezirksebene.

Ein herausragendes Ereignis feierten die Tischtennisspieler 1972 mit dem Sieg im Pokalwettbewerb auf Kreisklassenebene, wo 50 Mannschaften gestartet waren. Beim Punktspielbetrieb wurde 1973 zum wiederholten Male die Vizemeisterschaft in der 1. Kreisklasse mit der einzigen Herrenmannschaft errungen. Ab November 1974 wechselte die Abteilung ihr Spiellokal. Alle 13 Spieler halfen beim Umzug vom Saal des Vereinslokals in die Turnhalle nach Horstedt. Dort wurde dann an 5 Tischen mit dem weißen Zelluloidball trainiert oder um Punkte und Pokale gekämpft. Dank intensiver Nachwuchspflege wuchs die Tischtennisabteilung bis zum Jahre 1977 auf 37 Mitglieder.

Als Konsequenz  der Ausweitung des Sportbetriebs innerhalb kurzer Zeit ergaben sich vielfältige Aufgaben für die ehrenamtlichen Vereinsverantwortlichen. Immerhin war mittlerweile für über 300 Mitglieder in fünf verschiedenen Sportarten für ausreichend qualifizierte Sportgeräte, Sportstätten, Übungsleiter und Betreuer zu sorgen, damit diese ihren sportlichen Neigungen nachgehen konnten. Zu den notwendigen Maßnahmen gibt es folgendes zu berichten:

Nach Wiederbelebung der Turnsparte im Herbst 1971 reparierte Stellmacher Hinrich Bruns die vorhandenen Barren und Pferd und fertigte 15 Holzkeulen neu an. In der Tischlerei Willy Bohling wurde ein Sprungbrett mit Gummieinlage hergestellt. Zudem kaufte man 6 Turnmatten, 6 Medizinbälle und 50 Springseile, wofür vom Landkreis Bremervörde und vom Landessportbund Niedersachsen jeweils eine Beihilfe von 400 DM gewährt wurde.

1973 wurde die Ostseite des Sportplatzes mit Maschendraht eingezäunt, neuer Mutterboden einplaniert und für Fußballspiele 2 neue Tore aus Leichtmetall komplett mit Nylonnetzen aufgebaut. Schon ein Jahr später, die I. Herrenmannschaft spielte erstmals in der Bezirksklasse Stade, befand man die genutzten Umkleideräume im Keller der Schule mit Kaltwasserduschen, als unzureichend. Kurzerhand stellte die zu dem Zeitpunkt noch bestehende Gemeinde Nartum das vormals von den Lehrern als Vorrats-, Geräte- und Garagenraum genutzte Schulnebengebäude und 10.000 DM Barmittel zur Verfügung, damit zeitgemäße Umkleide-, Dusch- und Toilettenräume im Rahmen eines Umbaus entstehen konnten. Fast alle Handwerkerarbeiten dazu wurden von den Mitgliedern ehrenamtlich geleistet. Zur Finanzierung der Gesamtkosten von über 28.000 DM trug auch eine Umlage von 20 DM je Mitglied bei. Im selben Jahr noch befasste sich der bereits bestehende Bauausschuss mit einem weiteren Projekt. Eine Trainingsbeleuchtungsanlage sollte 1975 errichtet werden, damit der stark zunehmende Übungs- und Wettkampfbetrieb auf dem einzigen Sportplatz auch in der dunklen Jahreszeit aufrechterhalten werden konnte. Hierzu besorgte Johannes Petersen vom Überlandwerk 4 Gittermasten, Kabelmaterial wurde von den Mitgliedern in zuvor per Hand ausgehobenen Gräben verlegt und Fa. Klein aus Gyhum lieferte 12 Stück 2.000 Watt starke Flutlichtstrahler. An den Gesamtkosten von rund 14.000 DM beteiligte sich die nach der Gebietsreform neu gegründete Gemeinde Gyhum nach ausführlichem Schriftverkehr schließlich mit spärlichen 700 DM. Die fehlenden Mittel wurden als Eigenleistungen (rund 6.800 DM) und Beihilfen (6.500 DM von Landkreis, Kreis- und Landessportbund) aufgebracht. Schon im Sommer 1975 wurde die Viermastanlage eingeweiht. Eine weitere Investition tätigte der Verein 1976 mit der Anschaffung eines gebrauchten Walzenrasenmähers zum Preis von 3.600 DM für die ordnungsgemäße Pflege des Sportplatzes. Bislang wurde diese Arbeit von Nartumer Landwirten bei Bedarf 4 bis 5 Mal jährlich erledigt. Mit dem vereinseignen Rasenmäher hat Jürgen Weseloh jahrelang in den Frühjahrs- und Sommermonaten jede Woche unermüdlich seine Runden gedreht.

Auch für die Tischtennisspieler waren zusätzliche Sportgeräte notwendig. Zunächst wurden 1973 ein neuer Tischtennistisch und 2 neue Netzgarnituren angeschafft. Im Jahr darauf, nach Umzug des Spiellokals in die Horstedter Turnhalle, stellte Vereinswirt Heinrich Heitmann 2 weitere Tischtennistische zur Verfügung.

Um dem zunehmenden Übungs- und Wettkampfbetrieb Rechnung zu tragen, waren auch vermehrt Personen erforderlich, die die Sportler in den einzelnen Sparten trainierten, bei Wettkämpfen betreuten, zu Auswärtsveranstaltungen fuhren und als Schiedsrichter fungierten. Für fast alle Trainer-, Betreuer- und Fahrertätigkeiten fanden sich Vereinsmitglieder, die mit Freude die ihnen übertragenen Aufgaben ehrenamtlich erledigten. Als besondere Fügung ergab sich, dass mit Heinz Minnemann ein lizensierter Übungsleiter gleichzeitig für die Fußballer, Turner und Schwimmer zur Verfügung stand, der seine Ausbildung an der Bundeswehrsportschule Sonthofen/Allgäu und Landessportschule Duisburg erhalten hatte. Darüber hinaus waren Martin Ternes, Jürgen Weseloh, Erhard Herrmann, Ulrich Baske und Heinrich Schierholz als Fußballschiedsrichter sonntags für den TuS Nartum unterwegs.

Durch die Ausweitung des Sportangebotes infolge der kräftig angestiegenen Mitgliederzahlen ergab sich zwangsläufig eine nicht unerhebliche Zunahme des Geldverkehrs. 1970 betrugen die jährlichen Einnahmen bzw. Ausgaben um 2.000 DM, der Kassenbestand dümpelte am Jahresende bei ganzen 179,99 DM. Zu der Zeit zahlten erwachsene Männer 15 DM, Jugendliche und Frauen 7,50 DM und Kinder bis 14 Jahren 6 DM jährlich als Mitgliedsbeitrag. Vorstand und Kassenwart sahen sich aufgrund der im Laufe der Zeit zunehmenden Ausgaben veranlasst, auch die Einnahmen entsprechend anzupassen. Hierzu akzeptierten die Teilnehmer der Jahreshauptversammlungen mehrere Beitragserhöhungen. Mit Beginn des Jahres 1977 entrichteten die Männer 36 DM, Jugendliche und Frauen 18 DM und Kinder bis 14 Jahren 6 DM pro Jahr. Familien (Vater, Mutter und alle Kinder bis 14 Jahre) zahlten 48 DM jährlich. Damit konnten übers Jahr ca. 7.000 DM an Einnahmen verbucht werden, was ein ausgeglichenes Jahresergebnis möglich machte. Schließlich mussten jährliche Ausgaben bezahlt werden, die im Durchschnitt 1.200 DM Verbandsabgaben, 1.500 DM Übungsleiteraufwendungen, 1.300 DM Porto-, Telefon- Büro- und Schiedsrichterkosten und 3.000 DM Anschaffungs- und Instandhaltungsaufwendungen betrugen. Zur besseren Übersicht und Kontrolle war erstmals für 1976 ein Haushaltsplan, der sämtliche Einnahmen und Ausgaben im Detail enthielt, erstellt worden. Diese Einrichtung, dessen Ergebnisse den Mitgliedern jährlich präsentiert und von ihnen abgesegnet werden, gehört bis heute zu jeder Jahreshauptversammlung.

Mittlerweile ist unser TuS Nartum fast 50 Jahre älter geworden. In dieser Zeit hat es viele Veränderungen gegeben. Eines ist aber heute gegenüber der Vergangenheit gleich geblieben. Die Mitglieder konnten sich immer darauf  verlassen, dass die Verantwortlichen die Zeichen der Zeit erkannten und Entscheidungen mit Mut und Weitblick zum Wohle der Vereinsentwicklung getroffen haben. Möge auch zukünftig, besonders im Hinblick auf unser 100-jähriges Jubiläum in 2 Jahren, unser Vereinsleben so gestaltet werden, dass wir Körper und Geist in Freiheit und Frieden stets fit und wach halten.

 

Nartum, den 15. Februar 2019                                         Friedhelm Helmers